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26.03.2019, 17:13 Uhr KOMMENTAR

Europa muss Chinas Vormarsch mit mehr Ernst begegnen

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Acht-Augen-Treffen im Elysee-Palast: EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel heißen Chinas Präsident Xi Jinping in Paris willkommen. Foto: Aurelien Morissard/ImagoAcht-Augen-Treffen im Elysee-Palast: EU-Kommissionschef Jean Claude Juncker, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel heißen Chinas Präsident Xi Jinping in Paris willkommen. Foto: Aurelien Morissard/Imago

Osnabrück. Wer hätte gedacht, dass es mal soweit kommt: Anlässlich des Treffens mit Chinas Präsident Xi in Paris fordern Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron von Peking ein Verhältnis auf Augenhöhe. Aus der verlängerten Billigwerkbank ist ein globaler Konkurrent geworden, der Europa zunehmend in die Defensive drängt.

Es führt kein Weg daran vorbei: China wird der Welt in den nächsten Jahrzehnten seinen Stempel aufdrücken. Das Land ist zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht aufgestiegen. Und die Ambitionen seiner staatskapitalistischen Führung sind längst nicht gestillt – sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht wie auch technologisch, politisch und militärisch. 

Das ist kein Grund, Angst zu haben. Doch es ist Zeit, dem Vormarsch mit mehr Ernst zu begegnen. Dass Frankreichs Staatschef auch den Chef der EU-Kommission und die deutsche Regierungschefin zum Treffen mit Xi geladen hat, ist ein entsprechend wichtiges Signal der Geschlossenheit an die Adresse Pekings.

Denn trotz aller Bekenntnisse, Europa nicht spalten zu wollen verfolgt China natürlich die Strategie, mit einzelnen Ländern ins Geschäft zu kommen. Das macht die Durchsetzung von Interessen einfacher – so wie gerade mit Italien, das ebenso wie kleinere ost- und südeuropäische Staaten darauf hofft, von der Einbindung in Chinas „Neue Seidenstraße“ zu profitieren. Die Frage ist: Um welchen Preis? Augenhöhe darf nicht der Unterwürfigkeit weichen.

Die EU muss sich den Vorwurf gefallen lassen, so manchen Partner erst in die Arme China getrieben zu haben. Als in Griechenland infolge der Finanzkrise kein Europäer mehr investieren wollte, sprangen Chinesen ein. Es gehört also auch mehr Solidarität nach innen dazu, wenn man Stärke und Geschlossenheit nach außen wahren will.


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