Großes Interesse an Frührente Auf Umwegen doch noch zur Rente mit 63

Im wieder im Fokus: die Rentner und die Finanzierung der Rentenversicherung. Foto: Patrick Seeger/dpaIm wieder im Fokus: die Rentner und die Finanzierung der Rentenversicherung. Foto: Patrick Seeger/dpa

Osnabrück. Die Rente mit 63 erfreut sich großer Beliebtheit, doch nicht jeder erfüllt die Voraussetzungen. Viele Beschäftigte informieren sich deshalb über eine andere Möglichkeit, eine abschlagfreie Frührente zu bekommen. Der Weg führt über die Flexirente.

Man muss es sich leisten können, vorzeitig in Rente zu gehen. Für jeden Monat, den ein Beschäftigter eher in den Ruhestand treten will, muss er einen Rentenabschlag von 0,3 Prozent hinnehmen. Zudem muss er mindestens 63 Jahre alt sein und 35 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können. Nur wer mit 63 Jahren bereits 45 Beitragsjahre hinter sich hat, hat Anrecht auf die kontrovers diskutierte abschlagfreie Rente mit 63.

Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, der kann Möglichkeiten der Flexirente nutzen. Das Interesse daran wächst. Von Januar bis Oktober 2018 sind bei den Beratern der Rentenversicherung knapp 100.500 entsprechende Anfragen eingegangen, so ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund zur „Süddeutschen Zeitung“. Die künftigen Rentner wollten wissen, zu welchen Konditionen sie vor Erreichen der Regelaltersgrenze möglichst abschlagsfrei in den Ruhestand gehen können. Das sei ein „relativ hohes Anfrageaufkommen“, heißt es bei der Rentenversicherung. Im Gesamtjahr 2017 hatten den Angaben zufolge rund 116.000 Rentenversicherte zu dem Thema nachgefragt. 

Das Flexirentengesetz erleichtert es Versicherten, bereits mit 63 in Rente zu gehen und dabei eigentlich fällige Kürzungen zu vermeiden. Sie müssen dazu vorab Ausgleichszahlungen an die Rentenkasse leisten. Voraussetzung für den vorzeitigen Renteneintritt ist auch hier, dass Versicherte 35 Beitragsjahre nachweisen können. Dazu gehören neben sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung unter anderem auch Erziehungszeiten.

Nachfragen und tatsächliche Nutzung klaffen bei den Flexirenten allerdings auseinander: Die Zahl der Versicherten, die 2017 Einzahlungen geleistet haben, beträgt 11.621, so ein Sprecher der Rentenversicherung auf Nachfrage unserer Redaktion. „Darunter sind auch rund 2000 Versicherte, die aufgrund des Flexirentengesetzes diese Beiträge bereits im Alter von 50 bis 54 Jahren entrichtet haben.“ Zahlen für 2018 liegen dem Sprecher zufolge noch nicht vor.

Die Rente mit 63 für „besonders langjährig Versicherte“ erfreut sich ungleich höherer Beliebtheit. Im Frühjahr 2018 überstieg die Zahl der Neuanträge die Millionengrenze. Ende August vergangenen Jahres waren es bereits 1.104.474 Anträge.

 Seit Mitte 2014 können Beschäftigte, die mindestens 45 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben, bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Allerdings wird diese Altersgrenze seitdem pro Jahr um zwei Monate angehoben, sodass die Jahrgänge ab 1964 erst mit 65 Lebens- nach 45 Berufsjahren abschlagsfrei in den Ruhestand können. Phasen von Arbeitslosigkeit werden angerechnet, ebenso Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen. Nicht berücksichtigt werden etwa Anrechnungszeiten wegen Schul- oder Hochschulbesuchs.

Während Gewerkschaften die Möglichkeit des vorzeitigen Rentenbezugs mit 63 begrüßen, kommt von den Arbeitgebern scharfe Kritik. So wirft der Arbeitgeberverband BDA der Regierung „staatlich subventionierte Frühverrentungspolitik“ vor. Die Rente mit 63 entziehe den Betrieben dringend benötigte Fachkräfte, heißt es.


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