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21.03.2019, 17:37 Uhr KOMMENTAR

Verbot von Sturmgewehren in Neuseeland ist von starker Symbolik

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Ein Land in Trauer: Blumen des Gedenkens vor der Linwood Moschee in Christchurch, in der bei einem Attentat Dutzende Menschen erschossen wurden. Foto: Kyodo News/ImagoEin Land in Trauer: Blumen des Gedenkens vor der Linwood Moschee in Christchurch, in der bei einem Attentat Dutzende Menschen erschossen wurden. Foto: Kyodo News/Imago
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Osnabrück. Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen hat Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern ein Verkaufsverbot für Sturmgewehre und halbautomatische Waffen angekündigt. Richtig so. Auch wenn die Symbolik wohl stärker ist, als die tatsächliche Wirkung.

Die Bevölkerung brauche keinen Zugang zu halbautomatischen Waffen wie sie beim Militär üblich sind, sagt der Vorsitzende der oppositionellen National Party in Neuseeland. Wer wollte dem widersprechen. Das dort nun verschärfte Waffengesetz trägt dieser Erkenntnis Rechnung – und das gerademal eine Woche nach dem Mordanschlag auf Muslime in Christchurch. In der Politik ist das eine unfassbar kurze Zeit. Das zeigt: Gesetze lassen sich schnell an Erfordernisse anpassen, wenn denn der gemeinsame politische Wille vorhanden ist. Der Schock in Neuseeland sitzt wohl tief.

So sehr das Verbot zu begrüßen ist, so zweifelhaft dürfte seine Wirkung sein. Denn egal, wo auf der Welt: Straftaten werden selten mit legal erworbenen Waffen begangen. Illegale Waffen sind das Problem. Im Internetzeitalter bekommt man sie zu leicht über das Netz – oder zumindest Teile, aus denen sich Waffen zusammenfügen lassen.

Viel bedeutsamer also ist die Symbolik. Und die ist stark. Ebenso wie bei dem Vorhaben, den Gebetsruf der Muslime am Tag der Trauer in Neuseeland über Radio und Fernsehen als Zeichen der Solidarität zu übertragen. Das geht über bloße Betroffenheitsrhetorik hinaus und zeugt von einer Fähigkeit zur Empathie, an der es in der Politik – der deutschen zumal – allzu oft mangelt.


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