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17.03.2019, 15:45 Uhr NACH ATTENTAT IN NEUSEELAND

Facebook ist gefährlich behäbig

Ein Kommentar von Bastian Rabeneck


Nach dem Attentat auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch trauert das Land mit der muslimischen Gemeinde. Foto: dpa/AAP/Katina CurtisNach dem Attentat auf eine Moschee im neuseeländischen Christchurch trauert das Land mit der muslimischen Gemeinde. Foto: dpa/AAP/Katina Curtis

Osnabrück. 17 Minuten lang streamte der Massenmörder von Christchurch live bei Facebook seine Gräueltaten – ohne, dass die Plattform einschritt. Das Video verbreitete sich einem Virus gleich über die sozialen Medien. Die müssen nun die Scherben aufsammeln und massive Kritik einstecken.

Dem Internet-Riesen Facebook fliegt seine Live-Streaming-Funktion nach den Attentaten auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch um die Ohren. Ganze 17 Minuten lang übertrug der Täter per Helmkamera ungehindert das Blutbad, bei dem er 50 Menschen das Leben nahm. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass die Plattform machtlos ist, wenn einer ihrer fast zwei Milliarden Nutzer Inhalte mit massiver Gewalt verbreiten will. 

Dass Facebook erst nach einem Anruf der Polizei die Notbremse zog und das Video blockierte, ist zwar schockierend. Doch ist es schlicht unmöglich, täglich 100 Millionen Stunden neues Videomaterial zu kontrollieren. Nun ist die behäbige Plattform um Schadensbegrenzung bemüht. Eine Armada von Mitarbeitern soll die Kopien des Videos, das sich einem Virus gleich online verbreitete, ausfindig machen und löschen. Doch das Internet vergisst nicht, das Massaker ist nach wie vor präsent. Dass gerade der Datenkrake Facebook sich jetzt damit abmüht, ein einzelnes Video aus dem Internet zu tilgen, mutet fast komisch an – wäre der Anlass nur nicht so grausam.

Nicht zum ersten Mal wurden Gräueltaten über soziale Medien verbreitet. Was die Frage aufwirft: Sind Facebook und Co überhaupt in der Lage, weitere solcher Fälle zu verhindern? Nach dem Totalversagen in Neuseeland, bröckelt das Vertrauen zusehends. Zum Schutz der Allgemeinheit, müssen die Bemühungen noch deutlich verstärkt werden.


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