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15.03.2019, 15:45 Uhr KOLUMNE

Berliner Geflüster: Die undichte Hauptstadt

Von Tobias Schmidt


Ein poetischer Ort. Eimer-Ensemble im undichten Berliner Hauptbahnhof.
Foto: Tobias SchmidtEin poetischer Ort. Eimer-Ensemble im undichten Berliner Hauptbahnhof. Foto: Tobias Schmidt

Berlin. Es tropft. Im Hauptbahnhof, dort, wo es zu Gleis 11 hochgeht. Das spektakuläre Glasgebäude, 2006 fertig geworden, sollte schon immer mehr sein als Deutschlands erste Haltestelle.

Die kühne Konstruktion als Wahrzeichen der wiedervereinten Republik, als verspäteter Willkommensgruß für die Regierung, die von Bonn an die Spree gezogen war. Doch es tropft, und das schon seit drei Jahren.

Seitdem stehen hier zwei Eimer, manchmal auch drei. Meistens rote, mal ein blauer dabei. Seit neuestem sind sie schwarz und grün. Wollen diejenigen, die die Eimer aufstellen, eine subtile politische Botschaft loswerden? Das wird von der Bahn-Pressestelle ebenso verneint wie es auch keine schlüssige Erklärung für das stete Tropfen gibt, das im Obergeschoss für Pfützen sorgt, wenn die Eimer falsch postiert sind. Das Loch wurde nicht gefunden. Alle Abdichtungsversuche sind vergebens.

Die Eimer wären nicht der Rede wert, wären sie nicht zum Sinnbild für die nicht ganz dichte Hauptstadt geworden. Es gibt so vieles, was nicht klappt, dass hier auf Beispiele verzichtet werden darf. 

Meisterlich ist die Stadt darin, ihrer Unvollkommenheit etwas Charmantes anzudichten. Das hat die „Süddeutsche Zeitung“ inspiriert. Sie adelte das Eimer-Ensemble zum „poetischen Ort“.


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