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15.03.2019, 15:40 Uhr KOMMENTAR

"Fridays for Future": Ein Spaziergang, kein Streik

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Schülerdemo für den Klimaschutz an diesem Freitag in Osnabrück: Zumindest den Englischkenntnissen scheint der "Schulstreik" bisher nicht geschadet zu haben. Foto: David EbenerSchülerdemo für den Klimaschutz an diesem Freitag in Osnabrück: Zumindest den Englischkenntnissen scheint der "Schulstreik" bisher nicht geschadet zu haben. Foto: David Ebener

Osnabrück. Nein, es ist keine Heldentat, während der Schulzeit für den Schutz des Klimas zu demonstrieren. Sonntagmorgen um acht vielleicht, das wäre bemerkenswert. Aber das Wochenende am Freitag etwas früher einzuläuten, ist kein großes Opfer, insbesondere dann nicht, wenn daraus nicht einmal direkte Konsequenzen erwachsen.

Spaziergang wäre die bessere Bezeichnung als Streik, schon allein, weil solche innerhalb eines rechtlichen Rahmens ein legitimes Mittel zur Durchsetzung von Interessen darstellen. Den Schulbesuch zu verweigern ist schlicht verboten, egal ob Klimaschutz, religiöser Fundamentalismus oder eine andere gezimmerte Legitimation dafür herhalten soll.  

Es ist übrigens auch wenig sozial, seine Lehrer zu nötigen, entweder selbst Regeln zu brechen, einen Ausflug anzusetzen oder aber als Spießer beschimpft zu werden, der das Wohl der Welt gefährdet. Selbst die eifrigsten Klimaschutzeltern fänden es wohl nicht witzig, ihr Kind würde auf einer dieser Demos vom Auto überfahren oder knickte auch nur am Bordstein um. Wetten, dass es mit dem Altruismus dann schnell vorbei ist und nach Aufsicht und Haftung gefragt wird? Bevor die Kinder am nächsten Montag mit dem Auto zur Schule gebracht werden, alle einzeln am besten, und sich ihren chinesischen Kugelschreiber online bestellen.

Keine Einmaligkeit

Übrigens trifft es nicht zu, dass das Klima Schüler erstmals in größerer Zahl aus politischen Gründen auf die Straße triebe. Dies zu behaupten ist eine Beweihräucherung und Übersteigerung der Aktion - Fake News. Bei Georges Bushs Golfkrieg waren halbe Jahrgänge auf der Straße („Kein Blut für Öl“), bei der Welle ausländerfeindlicher Anschläge in den 90er Jahren ebenso, zuvor sowieso, als noch kommunistische Schulgruppen vor Sabotage und Rauswurf nicht zurückschreckten, um für Positionen zu kämpfen, die aus ihrer Sicht unabdingbar für eine gedeihliche Zukunft der Gesellschaft waren.

Es gibt daher wenig Grund, vom Spazierengehen für das Klima über Gebühr beeindruckt zu sein. Das Engagement ist nicht zu verniedlichen, ohne Frage. Politisches Interesse und Einsatz sind begrüßenswert. Jeder Mode hinterherzulaufen aber nicht, sich in kollektive Ängste hineinzusteigern ebenso wenig. Man sollte die Klimademos deshalb nicht überbewerten, nicht als Beobachter und nicht als Teilnehmer.  

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