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15.03.2019, 17:15 Uhr KOMMENTAR

Moschee-Anschläge in Neuseeland: Gefahr von rechts unterschätzt?

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Nach den Anschlägen mit mindestens 49 Toten gleicht Christchurch einer Geisterstadt. Die Aufarbeitung der Taten hat gerade erst begonnen. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpaNach den Anschlägen mit mindestens 49 Toten gleicht Christchurch einer Geisterstadt. Die Aufarbeitung der Taten hat gerade erst begonnen. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Osnabrück. Weltweit herrscht Entsetzen über die Bluttaten in Christchurch, Neuseeland, Dutzende Menschen wurden bei den Angriffen in zwei Moscheen getötet. Doch in die Trauer mischen sich bange Fragen: Wurde das Problem des Rechtsextremismus unterschätzt?

Der Terror hat Neuseeland erreicht. Das Land, das weltweit als friedlich und tolerant bekannt ist, steht unter Schock. Viele Menschen, auch in Deutschland, sind entsetzt über die Bluttaten in zwei Moscheen in Christchurch, welche gezielt Menschen muslimischen Glaubens treffen sollten. Als „sinnlose Gewaltakte“ verurteilte Papst Franziskus die tödlichen Attacken, „abscheulich“, nannte sie EU-Kommissonspräsident Jean-Claude Juncker. Beide haben recht.

Die Taten erinnern fatal an die des Massenmörders Anders Behring Breivik, der 2011 in Norwegen 77 Menschen tötete. Auch der mutmaßliche Täter von Christchurch, ein Australier, veröffentlichte ein hasserfülltes, paranoides, rassistisches Manifest. Zudem filmte er den Massenmord und übertrug ihn ins Internet, wo sich der Horror potenzierte.

Der Schock über die Taten sitzt tief. Und doch drängen sich bereits politische Fragen auf: Hat Australien, das Heimatland des mutmaßlichen Täters, das Problem des Rechtsextremismus unterschätzt? Seit Jahren fährt das Land einen rigiden Abschottungskurs. Stärkt diese Politik extreme, ausländerfeindliche Positionen? Und hat Neuseeland, das viele Flüchtlinge aufgenommen hat, die Gefahr von rechts ebenfalls unterschätzt? Noch steht die Trauer im Vordergrund. Aber die Debatte über die Hintergründe wird bald beginnen.


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