Linkspartei schlägt Alarm Immer weniger Langzeitarbeitslose finden regulären Job

Nur ein Bruchteil der Langzeitarbeitslosen findet wieder einen Job.
Foto: dpa/Julian StratenschulteNur ein Bruchteil der Langzeitarbeitslosen findet wieder einen Job. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Berlin. Trotz Rekordbeschäftigung und Fachkräftemangel finden immer weniger Langzeitarbeitslose einen regulären Job. Nur für jeden Achten endet die Arbeitslosigkeit durch eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt. Ein Überblick über die Entwicklung und die Pläne der Bundesregierung für einen sozialen Arbeitsmarkt.

Wie viele Langzeitarbeitslose finden einen neuen Job? 145.420 Menschen schafften im vergangenen Jahr den Sprung aus der Langzeitarbeitslosigkeit zurück in eine normale Anstellung. Das waren 15.000 weniger als ein Jahr zuvor und 30.000 weniger als 2016. 2007 hatte die Zahl noch bei 342.000 gelegen, seitdem wurden es immer weniger. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Links-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. 

Auch der Anteil sinkt: 2007 waren mehr als 16 von hundert Betroffenen durch eine Rückkehr auf den ersten Arbeitsmarkt der Langzeitarbeitslosigkeit entkommen. 2015 waren es noch mehr als 13 von Hundert, im vergangenen Jahr dann nur noch 11 von Hundert.

Was sind die wichtigsten Gründe für die Beendigung der Langzeitarbeitslosigkeit? Der überwiegende Teil derjenigen, die mehr als ein Jahr erwerbslos waren, wurde wegen Arbeitsunfähigkeit (450.000) oder der Teilnahme an Weiterbildungen oder anderen Maßnahmen (270.000) aus der Statistik gestrichen. Bei gut 50.000 Betroffenen griffen Sonderregelungen, knapp 40.000 schieden ganz aus dem Erwerbsleben aus.

Die Linken-Arbeitsmarkt-Expertin Sabine Zimmermann fordert eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik. Jan Woitas/dpa

Was ist mit Menschen, die weniger als 12 Monate arbeitslos sind? Hier sieht die Bilanz positiver aus: Von den 1,875 Millionen Fällen des vergangenen Jahres war für fast jeden dritten (30,5 Prozent) eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt der Grund für die Beendigung der Arbeitslosigkeit. Allerdings geht auch diese Zahl seit 2010 zurück, als 2,4 Millionen „Kurzzeit-Arbeitslose“ zurück in einen regulären Job gefunden hatten.

Was tut die Bundesregierung, um Langzeitarbeitslosen zu helfen? Seit dem 1. Januar übernimmt der Bund für Unternehmen, die schwer vermittelbare Arbeitslose einstellen, in den ersten beiden Jahren den Lohn, danach werden die Zuschüsse abgeschmolzen. Auch Kommunen und Wohlfahrtsverbände sollen für sie Stellen schaffen. Zudem wurde ein Recht auf Weiterbildungsberatung verankert. 4,4 Milliarden Euro investiert der Bund. Das Ziel: 150.000 Menschen aus der Langzeitarbeitslosigkeit holen.

Reicht das aus? Nein, meint Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. Eine "Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik" mit "ausreichend Geld zur Unterstützung" sei "dringend notwendig“, sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Und sie nahm die Arbeitgeber in die Pflicht: Anstatt sich über einen "vermeintlichen" Fachkräftemangel zu beklagen, sollten diese "stärker als bislang die Einstellung von langzeiterwerbslosen Menschen in Erwägung ziehen".


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