Abgeschobener mutmaßlicher Terror-Helfer Linkspartei wirft Seehofer wegen Ben Ammar Verschleierung vor

Horst Seehofer im Kreuzfeuer der Kritik: Der Innenminister äußert sich in Berlin zum abgetauchten Bel Ammar.
Foto: Kay Nietfeld/dpaHorst Seehofer im Kreuzfeuer der Kritik: Der Innenminister äußert sich in Berlin zum abgetauchten Bel Ammar. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Wo ist Bilal Ben Ammar, der mutmaßliche Komplize des Berlin-Attentäters Anis Amri? Bundesinnenminister Horst Seehofer nahm am Donnerstag vor der Presse Stellung, doch hatte er nicht viel zu sagen. Die Linken unterstellen dem CSU-Politiker Vertuschung.

"Es scheint unglaubhaft, dass die Bundesregierung zum Aufenthaltsort von Ben Ammar weder Anfragen an tunesische Behörden gestellt, noch sich mit ausländischen Behörden darüber ausgetauscht hat", sagte Linken-Innenpolitikerin Martina Renner unserer Redaktion. "Eine nach eigener Einschätzung gefährliche Person mit Bezug zum IS und Kontakten nach Deutschland und Frankreich verschwindet nicht einfach vom Radar der Sicherheitsbehörden."  

Seehofer hatte am Mittag in Berlin erklärt, ihm sei der gegenwärtige Aufenthalt Ben Ammars, der sich am Vorabend des Anschlags auf den Breitscheidplatz mit Amri zum Essen getroffen hatte, "nicht bekannt". Dass Ben Ammar am 1. Februar 2017 abgeschoben worden sei, könne er nachvollziehen, obwohl der Tunesier als gefährliche Person gegolten habe, sagte Seehofer.

Linken-Innenpolitikerin Renner, die im Amri-Untersuchungsausschuss sitzt, hält das für einen großen Fehler. „Die Entscheidung, Ben Ammar so schnell abzuschieben, birgt die Gefahr, dass die damalige Beurteilung nunmehr in jedem Fall gerechtfertigt erscheinen muss“, sagte sie, und prophezeite: "Wenn sich herausstellen sollte, dass Ben Ammar doch in den Anschlag verwickelt war, würde dies keine der handelnden Person politisch überleben."

Die Bundesregierung müsse jetzt „alles offenlegen“, forderte die Innenpolitikerin. Die Ermittlungen gegen den „überstürzt außer Landes geschafften“ Ben Ammar müssten womöglich wiederaufgenommen werden. „Amri und er waren mehrfach bei Terrorermittlungen vor dem Anschlag aufgetaucht. Beide waren vor dem Anschlag von Flüchtlingen als IS-Sympathisanten angezeigt worden“, betonte Renner.


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