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28.02.2019, 10:58 Uhr US-NORDKOREA-GIPFEL

Donald Trump hat in Hanoi auf Sieg gespielt – und gegen Kim den Kürzeren gezogen

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


TV-Übertragung in Südkorea: Donald Trump hält die Pressekonferenz nach dem gescheiterten Gipfel allein ab, ohne Kim Jong-Un. Foto: Yonhap/AFPTV-Übertragung in Südkorea: Donald Trump hält die Pressekonferenz nach dem gescheiterten Gipfel allein ab, ohne Kim Jong-Un. Foto: Yonhap/AFP
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Osnabrück. Als vertrauensbildende Maßnahme an symbolisch starkem Ort hatte der Gipfel der beschworene Eintracht zwischen Donald Trump und Kim Jong-Un seine Berechtigung. Doch das Vertrauen zwischen den beiden Staatschefs geht offenbar noch nicht soweit, dass man einander über den Weg traut. Ein erneutes Treffen sollte besser vorbereitet sein.

Zu früh gefreut. Donald Trump hat in Hanoi auf Sieg gespielt – und vorerst verloren. Der US-Präsident und Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un haben sich ohne Abschlusserklärung getrennt. Dass der Gipfel die Erwartungen nicht erfüllt hat, kann folgende Gründe haben: Entweder war er schlecht vorbereitet; in der Regel werden Vereinbarungen bei Treffen von solcher Dimension im Vorfeld ausgehandelt und formuliert, damit es eben nicht zu einem offensichtlichen Scheitern kommt. Oder aber Präsident Trump war tatsächlich so naiv zu glauben, Kim genüge schon ein Händeschütteln im Blitzlichtgewitter mit dem mächtigsten Mann der Welt, um die Denuklearisierung Nordkoreas einzuleiten. Er hätte es besser wissen müssen.

Offenbar hat Trump die Standfestigkeit seines Gegenübers unterschätzt. Dass Kim darauf bestehen würde, die USA müssten ihre Sanktionspolitik gegenüber Nordkorea entschärfen, lag auf der Hand. Wenn Trump hier aber nicht zu einem größeren Entgegenkommen bereit war, hätte er sich die weite Reise nach Vietnam sparen können. 

Dabei wäre ein Erfolg doch relativ leicht zu haben gewesen: Das Aussetzen einzelner Sanktionen, eine gemeinsame Friedenserklärung oder die Einrichtung gegenseitiger Verbindungsbüros, um die diplomatische Eiszeit zu beenden, hätten eine enorme Symbolik entfalten können. Und vor allem darum ging es doch, um Symbolik. Kaum jemand war davon ausgegangen, dass es in Hanoi tatsächlich einen Einstieg in einen konkreten Abrüstungsfahrplan für Nordkorea hätte geben können.

Nun heißt es: Zurück auf Los und dabei die Ambitionen nicht verlieren. Ernüchterung ist man aus den Verhandlungen der vergangenen Jahrzehnten im Falle Nordkoreas gewohnt. Beide Seiten sollten sich nicht entmutigen lassen und den Prozess der Annäherung trotz des jüngsten Fehlschlags fortsetzen. Vor einem erneuten Gipfeltreffen sollten die Verhandlungsteams beider Seiten aber deutlich gründlichere Vorarbeit leisten. Die Menschen auf der koreanischen Halbinsel werden es ihnen danken.


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