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19.02.2019, 13:53 Uhr BERTELSMANN-STUDIE

Was die Politik aus den Ängsten von Kindern lernen kann

Ein Kommentar von Marion Trimborn


Viele Kinder in Deutschland fürchten sich laut einer Studie vor Armut, Mobbing und Ausgrenzung. Für die Politik ist das ein Alarmsignal - und der Aufruf, drängende soziale Fragen endlich anzupacken. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpaViele Kinder in Deutschland fürchten sich laut einer Studie vor Armut, Mobbing und Ausgrenzung. Für die Politik ist das ein Alarmsignal - und der Aufruf, drängende soziale Fragen endlich anzupacken. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Osnabrück. Mobbing, Armut und Ausgrenzung - viele Kinder in Deutschland machen sich Sorgen. Das überrascht nicht, weil die Gesellschaft sich rasant verändert. Für die Politik leiten sich aus der Studie über die Ängste der Kinder eine klare Handlungsempfehlung ab.

Kinder sind ein Spiegelbild der Eltern. Wenn sich laut Bertelsmann-Studie viele Kinder vor Gewalt, Mobbing und Armut fürchten, dann sind das auch die Ängste der Eltern und der Gesellschaft. Mit ihren sensiblen Antennen nehmen die Kleinen diese Furcht auf.

Gesellschaftlicher Wandel löst Sorge aus

Die Sorgen sind nur allzu verständlich, denn die Gesellschaft befindet sich in einem radikalen Wandel, was zu Zukunftsangst führt. Traditionelle Familienstrukturen brechen auseinander, trotz annähernder Vollbeschäftigung arbeiten Millionen Menschen im Niedriglohnsektor und mindestens drei Millionen Kinder wachsen in relativer Armut auf. Die Digitalisierung verändert die Berufswelt rasant. Soziale Netzwerke und Leistungsdruck in der Schule schaffen ein Klima, in dem Mobbing gedeihen kann.

Eine Schwäche der Studie ist, dass sie nicht nach der Lebenswelt der Kinder unterscheidet. Je nachdem, ob diese in der Stadt oder auf dem Land wohnen, ob ihre Familie intakt ist oder die Eltern getrennt leben, ob die Eltern finanziell abgesichert sind oder Hartz-IV beziehen, dürften die Sorgen ganz verschieden sein.

Regierung muss soziale Probleme angehen

Für die Politik ist die Studie ein Alarmzeichen. Sie gibt der Regierung die Hausaufgabe auf, die drängendsten Probleme endlich anzugehen. Dazu gehören etwa die horrenden Mietsteigerungen in vielen Städten, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und die überproportionale Steuerbelastung normaler Arbeitnehmer. Zudem sollte die Politik auf undurchdachte schulpolitische Experimente wie das G8 verzichten .


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