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18.02.2019, 18:26 Uhr ZAHLEN ZU MESSERATTACKEN FEHLEN

Unfassbare Schlamperei

Ein Kommentar von Marion Trimborn


Immer noch gibt es keine bundesweite Statistik zu Messerangriffen.  Foto: Daniel Bockwoldt/dpaImmer noch gibt es keine bundesweite Statistik zu Messerangriffen. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Daniel Bockwoldt

Osnabrück. Eine neue Reihe von blutigen Messerattacken hat eine Debatte um fehlende Zahlen ausgelöst. Es ist kaum zu glauben, aber immer noch gibt es keine bundesweite Statistik darüber. Erst in einigen Jahren soll es so weit sein - das ist aus mehreren Gründen zu spät.

Es ist einfach ein Skandal. Da sorgen Messerangriffe schon seit längerer Zeit für Schlagzeilen und verunsichern die Bevölkerung. Asylbewerber geraten pauschal unter Verdacht. Auch wenn Experten einen Zusammenhang zur Flüchtlingskrise sehen, können sie ihn nicht genau belegen. Man kann es nur als unfassbare Nachlässigkeit bezeichnen, dass die Behörden es nicht schaffen, sich auf einheitliche Kriterien zu einigen und belastbare Zahlen auf den Tisch zu legen.

Problem für die Sicherheit

Das ist für die innere Sicherheit ein Problem,weil die Polizei erst dann Gewaltausbrüche unter Kontrolle bekommen kann, wenn sie weiß, wer die Täter sind und wo die meisten Fälle passieren. Ohne präzises Bild ist es sehr schwierig, effektive Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Politisches Problem

Es ist aber auch politisch ein Riesenproblem. Denn ohne verlässliche Zahlen wird die Debatte um Messerangriffe weiter emotionalisiert und zunehmend unsachlich. Da können sich zweifelhafte Berichte über eine sprunghafte Zunahme verbreiten. Da kann die AfD von „Messermännern“ und einer „Messerepidemie“ fabulieren. Das alles entzieht der rationalen Politik den Boden. Es führt zu einer zunehmenden Polarisierung in der Gesellschaft und schürt Ängste. Es sollte deshalb im Interesse aller sein, dass schnellstens Zahlen vorliegen - und das nicht erst in Jahren.


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