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17.02.2019, 15:28 Uhr KOMMENTAR ZU WELTHANDEL

Strafzölle gegen Autobauer: Missbrauch der Wirtschaftspolitik

Ein Kommentar von Katharina Ritzer


Die von US-Präsident Donald Trump geplanten Strafzölle für deutsche Autobauer dienen nicht einer florierenden Wirtschaft – sie sind lupenreiner Protektionismus. Foto: Evan Vucci/AP/dpaDie von US-Präsident Donald Trump geplanten Strafzölle für deutsche Autobauer dienen nicht einer florierenden Wirtschaft – sie sind lupenreiner Protektionismus. Foto: Evan Vucci/AP/dpa

Osnabrück. US-Sonderzölle auf deutsche Autos? Präsident Trump droht seit längerem damit, und das US-Handelsministerium ist offensichtlich zu der Einschätzung gekommen, dass europäische Autos eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA darstellen. Strafzölle aber wären reiner Protektionismus – und nicht nur für Deutschland schädlich. Ein Kommentar.

Deutsche Autos, so viel darf man ohne überzogenen Patriotismus sagen, gehören zu den besten der Welt. Und diese weltweit gefragten rollenden Nachweise exzellenter deutscher Ingenieurskunst sollen plötzlich ein Sicherheitsrisiko für die USA sein? Dazu wird ein exotischer Paragraph des US-Handelsrechts von 1962 bemüht, der die Amerikaner vor einer übermäßigen Abhängigkeit von einzelnen Importwaren schützen soll – und das auch bei Autos, die komplett in den USA gebaut werden und dort Arbeitsplätze schaffen.

Wenn die ganze Sache nicht so ernst wäre – die deutschen Autobauer sprechen schon von einer Halbierung ihrer Exporte in die USA –, dann könnte man sich angesichts dieses absurden Theaters nur mit der flachen Hand vor den Kopf schlagen. Leider meint US-Präsident Trump die Strafzölle aber bitter ernst. Ihm geht es dabei kein bisschen um die nationale Sicherheit, sondern allein um den Schutz seiner amerikanischen Autobauer vor der überlegenen deutschen Konkurrenz.

Wenn die Wirtschaftspolitik wie in diesem Fall nicht einer florierenden Wirtschaft dient, sondern für lupenreinen Protektionismus missbraucht wird, dann mag es kurzfristig ein paar Gewinner unter den US-Firmen geben. Am Ende aber schaden Strafzölle und Handelsschranken der Weltwirtschaft und damit allen Nationen. Am meisten natürlich, das sei zugegeben, dem Exportweltmeister Deutschland.


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