Förderinstrument für Familien Baukindergeld stark nachgefragt

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Vor allem in Flächenländern ist das Baukindergeld gefragt. Das Bild zeigt einen Neubau in Mönchhagen in Mecklenberg-Vorpommern. Foto: dpaVor allem in Flächenländern ist das Baukindergeld gefragt. Das Bild zeigt einen Neubau in Mönchhagen in Mecklenberg-Vorpommern. Foto: dpa

Frankfurt/Osnabrück. Das Baukindergeld zählte zu den am heftigsten umstrittenen Vorhaben der schwarz-roten Bundesregierung. Drei Monate nach dem Start des Förderinstruments für Familien zeigt sich: Der Andrang ist groß – vor allem auf dem Land.

Das neue Baukindergeld stößt nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW auf großes Interesse. „Die Resonanz ist insgesamt sehr groß“, sagte KfW-Chef Günther Bräunig am Mittwoch in Frankfurt. Seit dem Start Mitte September vergangenen Jahres bis heute seien 68 125 Förderzusagen erteilt worden. Nach Angaben einer KfW-Sprecherin sind damit 1,4 Milliarden Euro aus dem 10 Milliarden Euro großen Fördertopf verplant. Das Baukindergeld ist befristet, Anträge können nur bis Ende 2020 eingereicht werden.

Bereits im vergangenen Jahr profitierten 56 000 Familien den Angaben zufolge von der neuen Förderung, die der früheren Eigenheimzulage ähnelt. Dabei gibt es über einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt 12 000 Euro pro Kind. Politisches Ziel ist es, Alleinerziehenden und Familien in Zeiten stark steigender Bau- und Immobilienpreise unter die Arme zu greifen.

8600 Anträge in Niedersachsen

Das größte Interesse am Baukindergeld wurde im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit gut 15 000 Anträgen verzeichnet, Niedersachsen landete mit knapp 8600 Anträgen hinter Baden-Württemberg und noch vor Bayern auf Platz drei.

Fachleute der Bausparkasse der Sparkassen LBS haben sich die Zahlen der KfW näher angesehen und kommen zu dem eindeutigen Ergebnis: Die Flächenländer profitieren stärker von dem neuen Instrument als die Stadtstaaten. Auf 100 Familien mit Kindern entfielen im Saarland rechnerisch 0,92 Anträge auf Baukindergeld – mehr als in jedem anderen Bundesland. In der Spitzengruppe finden sich außerdem die ländlich geprägten Länder Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit jeweils 0,91 Anträgen je 100 Familien. Wenig überraschend bilden Hamburg (0,32) und Berlin (0,24) die Schlusslichter in der LBS-Statistik.

Auszahlung nach Einzug

Einen Antrag auf Baukindergeld kann nur stellen, wer bereits Kinder hat. Ausbezahlt wird der Zuschuss erst, nachdem die Empfängerfamilie in ihr Eigenheim eingezogen ist. Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), kritisierte dieses Prozedere. „Mit dem Baukindergeld zwingt der Staat mich eigentlich, erst die Kinder zu bekommen und dann aus der kleinen Mietwohnung ins größere Eigenheim zu ziehen.“ Das passe nicht zum Lebensmodell der meisten Haushalte, so Voigtländer im Gespräch mit unserer Redaktion.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN