Werkstattbericht über Regieren Der Scholzomat und die Büroklammer - Buch von de Maiziére

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Innenansichten der Politik:  Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellte das Buch seines früheren Kabinettskollegen   Thomas de Maiziére (CDU) vor. Foto:dpaInnenansichten der Politik: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellte das Buch seines früheren Kabinettskollegen Thomas de Maiziére (CDU) vor. Foto:dpa

Berlin. Da geht noch was zwischen Union und SPD. Das neue Buch des einstigen CDU-Ministers Thomas de Maizière stellt gestern ein Genosse vor: Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD). „Ich war die Büroklammer, er war der Scholzomat“, witzelt der Autor. Tatsächlich ist diese Kombination sehr interessant.

Mehr als 40 Jahre Regierungserfahrung bringen die zwei gemeinsam auf die Waage. Ein Duo, das vor allem eines ist: staubtrocken und sehr präzise. „Dieses Buch ist ein Werkstattbericht", beginnt Thomas de Maizière. „Regieren" lautet der schlichte Titel. Das kommt so sachlich daher, wie man den CDU-Politiker aus seiner Zeit als Minister kennt. Doch zwischen den Zeilen geht es auch um Kränkungen, Rechtfertigung und offene Rechnungen.  

Dass man ihm einst den Spitznamen „Büroklammer" angeheftet hat, findet de Maizière nur mäßig lustig. Er betont, ja, er habe immer großen Wert auf die äußere Form von Akten und Vorlagen gelegt. Na und? Aber das ist nur eine der leichteren Kränkungen für den Juristen, der im März vergangenen Jahres nach Ministerdiensten im Kanzleramt, im Innen- wie auch im Verteidigungsressort fast nebenbei erfuhr, dass er auf Kanzlerin Angela Merkels Kabinettsliste keinen Platz mehr fand.

Dennoch schrieb er kein saftiges Enthüllungsbuch, das Privates aus der Welt der Politik oder überraschende Bekenntnisse liefert. Dafür ist de Maizière, der im Bundestag und bei CDU-Parteitagen oben auf dem Podium sitzt, viel zu höflich und diskret. „Er ist ein feiner Kerl“, findet Scholz, der „mit Thomas“ viele Jahre lang „kleine und große Dinge“ geregelt hat. Politik sei Handwerk, finden die zwei, und dabei sei „der Kompromiss etwas ganz Normales“.

Aber gehört nicht auch Inszenierung zur Politik? Der schöne Schein zur Machtsicherung? „Ja“, sagt de Maizière. Der Sohn eines hochdekorierten Generals und Sprössling einer Hugenottenfamilie wendet aber ein: „Die Inszenierung darf nicht wichtiger sein als die Substanz.“ Für ihn gilt: „Dienen ist wichtig“.

Die Loyalität des 65-Jährigen zur Bundeskanzlerin ist ungebrochen. Nur eine winzige kritische Bemerkung erlaubt sich de Maizière in seinem Buch, das  im Herder-Verlag erscheint: „Sie ist sicher auch nicht die beste aller Redner." Das Kapitel Flüchtlingspolitik streift er in seinem 250-Seiten-Werk nur kurz. „Entscheiden musste ich“, schreibt er über den September 2015, als in Ungarn unerwünschte Flüchtlinge sich zu Fuß der deutschen Grenze näherten.

Horst Seehofer, sein Nachfolger im Innenressort, war nicht damit einverstanden, dass de Maizière diese Asylsuchenden an den Schlagbäumen nicht abweisen ließ, "sehr hässliche Bilder" befürchtend. Der CSU-Politiker hat danach von einer „Herrschaft des Unrechts" gesprochen. „Ehrabschneidend" sei das, befand de Maiziere. Dieses Wort sei „hart, aber angemessen“.


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