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43 Millionen Menschen betroffen Die alten Führerscheine müssen früher weg als gedacht: Sind Sie betroffen?

Henning Baethge und dpa

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Die alten Papierführerscheine sollen gestaffelt abgegeben werden. Foto: dpa/Federico GambariniDie alten Papierführerscheine sollen gestaffelt abgegeben werden. Foto: dpa/Federico Gambarini

Berlin. Bundesrat stimmt für Stufenplan: Schon elf Jahre früher als ursprünglich geplant müssen Autofahrer ihren alten "Lappen" abgeben. Insgesamt sind 43 Millionen Menschen in Deutschland betroffen.

Millionen Autofahrer in Deutschland haben noch echte "Lappen" aus Papier. Doch die Tage älterer Führerscheine sind gezählt. Bis spätestens 19. Januar 2033 müssen sie gegen neue Plastikkärtchen in einheitlichem EU-Standard umgetauscht sein. Der Bundesrat stimmte am Freitag für einen Stufenplan, um mit der großen Aktion schon früher zu beginnen – damit nicht so viele bis zum letzten Moment warten und es einen Massenansturm bei den Ämtern gibt. Klar ist aber: Die Fahrerlaubnis an sich bleibt davon unberührt.

Nun ist die Bundesregierung am Zug. Sie muss den Plan noch in einer Verordnung umsetzen und in Kraft treten lassen. Eine Stellungnahme dazu gab es zunächst nicht. Unklar war auch noch, wie genau Führerscheinbesitzer informiert werden sollen.

Betroffen sind insgesamt rund 43 Millionen Autofahrer in Deutschland. Eine neue Prüfung ist für sie also nicht nötig. Dafür aber ein Foto – und laut ADAC rund 25 Euro Gebühr. Falls der alte Führerschein nicht bis 2033 umgetauscht wird, solle es ein Verwarnungsgeld von 10 Euro geben. Mit dem einheitlichen EU-weiten Dokument soll ein möglichst aktueller Fälschungsschutz gewährleistet sein. Bei Kontrollen sind Besitzer leichter zu erkennen, wenn das Foto nicht so alt ist.

Führerscheinumtausch beginnt in knapp drei Jahren

Der Staffelplan sieht nun vor, den Umtausch mit den rund 15 Millionen Papierführerscheinen zu beginnen, die vor dem 31. Dezember 1998 ausgestellt wurden. Zuständig sein soll die Führerscheinbehörde des aktuellen Wohnsitzes. Konkret bedeutet das: Bis spätestens 19. Januar 2022 sollen die ersten Autofahrer ihre alte Fahrlizenz gegen eine neue eintauschen – also schon in knapp drei Jahren. Das betrifft alle Führerscheinbesitzer die zwischen 1953 und 1958 geboren sind. In den Jahren darauf sollen gestaffelt die jüngeren Jahrgänge, also auch Besitzer von Kartenführerscheinen, folgen. 

Ziel des Plans ist es, bis 2028 möglichst viele Alt-Führerscheine umzutauschen – ab dann verlieren auch die seit 2013 neu ausgestellten Führerscheine ihre Gültigkeit und müssen erneuert werden. Ältere Führerscheininhaber, die vor 1953 geboren wurden, sollen von der Pflicht zum vorgezogenen Umtausch ganz befreit werden.

Der Umtausch wird nötig, weil Führerscheine aufgrund einer zwölf Jahre alten EU-Richtlinie nur noch befristet ausgestellt werden dürfen, für höchstens 15 Jahre. Seit 2013 ist das auch in Deutschland bei neuen Fahrerlaubnissen der Fall – doch die vor Jahrzehnten ausgegebenen grauen und rosa "Lappen" sind nach wie vor im Umlauf und gültig. Sie müssen daher ebenso bis spätestens 2033 ersetzt werden wie die vor 2013 unbefristet ausgestellten Scheckkarten-Führerscheine. Weil Deutschland mit der Umsetzung der Richtlinie zu lange zögerlich geblieben war, hatte Brüssel sogar ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet.

Dem Konzept zufolge sollen die rund 15 Millionen Papierführerscheine, die vor dem 31. Dezember 1998 ausgestellt worden sind, ab dem Jahr 2022 gestaffelt nach Geburtsjahrgängen umgetauscht werden. Für rund 28 Millionen Kartenführerscheine, die vom 1. Januar 1999 an ausgestellt wurden, soll der Umtausch nach dem jeweiligen Alter der Dokumente über die Bühne gehen. 

Ausgenommen sind Führerscheininhaber über 67 Jahre

Bewusst ausnehmen vom vorgezogenen Umtausch wollen die Länder diejenigen Autofahrer, die vor 1953 geboren sind, also 67 Jahre und älter sind. "Damit soll ihnen erspart werden, ihren Führerschein vorzeitig umtauschen zu müssen, obwohl altersbedingt nicht sicher ist, ob sie nach dem Stichtag des 19. Januar 2033 von ihrer Fahrerlaubnis Gebrauch machen möchten", heißt es in der Begründung der Länder.

Mit "altem Lappen" im Ausland unterwegs? Das müssen Sie beachten

Wer mit dem Auto ins Ausland reisen will und noch einen alten Führerschein besitzt, sollte besser einen Textauszug der EU-Führerscheinrichtline (91/439/EWG) in der entsprechenden Sprache des Reiselandes mitführen. Denn dort steht, dass die alten grauen oder rosafarbenen Führerscheine weiterhin gültig sind, informiert die Verbraucherorganisation Geld und Verbraucher (GVI). Es könne bei Verkehrskontrollen immer wieder mal vorkommen, dass diese noch gültigen Dokumente fälschlicherweise beanstandet werden.
Solche Texte bietet die GVI im Internet in mehreren Sprachen unter der Rubrik "Gratis" an. Auch auf den Seiten der EU lassen sie sich herunterladen. Hilft das bei der Polizeikontrolle dennoch nicht weiter, kämen Autofahrer häufig nicht um ein Bußgeld herum, schreibt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg auf ihrer Internetseite.
Dann sollten Autofahrer sich den bezahlten Betrag und den Grund der Zahlung auf dem Strafzettel vermerken lassen und im Nachgang prüfen, ob sich rechtliche Schritte mit Hilfe eines Anwalts lohnen. Dabei ist aber die Bußgeldhöhe in Relation zu diesem Aufwand zu setzen.

Befristete Führerscheine als Mittel gegen Fälschungen

Der Grund für die Einführung befristeter Führerscheine durch die EU ist vor allem der Kampf gegen Fälschungen. Zudem würden so regelmäßige ärztliche Untersuchungen zur Überprüfung der Fahreignung möglich, heißt es in der EU-Richtlinie. In Deutschland allerdings sind die bisher nicht geplant. Auch sonst entstehen den Führerschein-Inhabern hierzulande außer der Gebühr für das neue Dokument keine Nachteile durch den Zwangsumtausch. Vor allem müssen sie keine erneute Prüfung ablegen.

Weiterlesen: Diese Promillegrenzen gelten für Autofahrer im Ausland 

Eine ADAC-Sprecherin sagte: "Handliche Scheckkartenführerscheine mit einem aktuellen Foto bringen bei Führerscheinkontrollen, besonders aber bei Fahrten im Ausland unbestreitbare Vorteile. Trotzdem wissen wir, dass viele Bürger an ihrem alten grauen oder rosa Lappen emotional hängen." Dabei helfe es nur bedingt, dass dieses historische Dokument beim Umtausch entwertet zurückgegeben werde. "Aus unserer Sicht ist deshalb Überzeugungsarbeit geeigneter als das nationale Vorziehen der EU-Fristen."


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