USA wollen Nord Stream 2 verhindern Russischer Botschafter beklagt diplomatischen Druck aus Washington

Der russische Botschafter Sergej Netschajew betonte die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit im Gassektor zwischen Deutschland und Russland. Foto: Kay Nietfeld/dpaDer russische Botschafter Sergej Netschajew betonte die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit im Gassektor zwischen Deutschland und Russland. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Osnabrück. Der russische Botschafter Sergej Netschajew sieht in dem Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 viele Vorteile für Deutschland. Das Gas sichere Arbeitsplätze und decke den Energiebedarf des Landes. Die USA sprechen dagegen von einer "Energiewaffe" Russlands. Netschajew hält die Warnung für fragwürdig.

Russlands Botschafter Sergej Netschajew hat den diplomatischen Druck kritisiert, mit dem die USA den Bau der Pipeline Nord Stream 2 kurz vor Fertigstellung noch verhindern wollen. Dass die amerikanischen Warnungen vor einer russischen „Energiewaffe“ aufrichtig seien, halte er für fragwürdig, erklärte Netschajew gegenüber unserer Redaktion. Vielmehr strotzten sie vor Widersprüchlichkeit. „Es ist schwer zu glauben, dass ein Land, das die Regeln freien und fairen Handels ruiniert, seine Konkurrenten mit Einfuhrzöllen belegt, die Parole „Amerika First“ auf seine Fahnen schreibt und größten europäischen Konzernen offen mit rechtswidrigen Sanktionen droht, sich nun wirklich um europäische Interessen sorgt“, meinte der Botschafter.

Hinter dem Druck, zuletzt unter anderem einem gemeinsamen Artikel mehrerer amerikanischer Botschafter in Europa in einem Zeitungsbeitrag, „sehen wir nicht die Fürsorge für Europa, sondern die Bestrebung, seine Konkurrenten zur Seite zu schieben und europäischen Verbrauchern teures LNG aus Amerika aufzudrängen“, sagte Netschajew. Hierbei gehe es „mit LNG um einen Energieträger, der nicht nur auf möglichst umweltschädliche Art und Weise abgebaut wird, sondern auch einem fairen Wettbewerb nicht standhalten kann“.

Netschajew betonte, dass Deutschland und Russland durch Jahrzehnte einer erfolgreichen Gaskooperation verbunden seien. „Diese ganze Zeit war unser Land ein zuverlässiger Partner, der die Bundesrepublik störungsfrei mit Energieträgern belieferte“, erinnerte er. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass sich dies ändern würde, im Gegenteil: Deutschland schicke sich an, auf Atomkraft und Kohleförderung zu verzichten. Unter anderem deshalb steige der Bedarf an Gas. „Die Gaspipeline Nord Stream 2 stellt die kürzeste Gaslieferroute aus dem hohen Norden Russlands nach Deutschland dar“, erläuterte Netschajew. „Diese Strecke ist um knapp 2000 Kilometer kürzer als der Weg durch die Ukraine. Das hat nicht nur einen maßgeblichen Einfluss auf den Endpreis für Verbraucher, sondern ermöglicht es, jegliche Transitrisiken aus der Welt zu schaffen.“

Die Pipeline werde dazu beitragen, dass in Deutschland neue Arbeitsplätze entstehen und der Energiebedarf zu möglichst vorteilhaften marktkonformen Preisen gedeckt wird. „Nord Stream 2 wird den Interessen einfacher Verbraucher und ebenso der deutschen Industrie entsprechen“, sagte der Botschafter. Dies seien „unstrittige Fakten“, während die amerikanischen Argumente nicht trügen.

Der Bau von Nord Stream 2 bedeute nicht, dass man bestehende Gaslieferrouten nach Europa aufgebe, insbesondere die durch die Ukraine. 

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