Münchener Sicherheitskonferenz-Umfrage USA verspielen guten Ruf in Deutschland

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Was Verbündete über ihn denken, scheint ihn nicht wirklich zu interessieren: US-Präsident Donald Trump. Foto: Mike Theiler/Imago/UPI PhotoWas Verbündete über ihn denken, scheint ihn nicht wirklich zu interessieren: US-Präsident Donald Trump. Foto: Mike Theiler/Imago/UPI Photo

Osnabrück. Fast jeder zweite Bundesbürger empfindet die Politik Washingtons als Bedrohung. „Das Misstrauen zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung angesichts des Chaos ist, das sich in der Welt um uns herum ausgebreitet hat", sagt der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen. Die Münchener Sicherheitstagung bietet nun die Chance der Wiederannäherung. Doch wird das gestörte Verhältnis zu kitten sein?

Noch sind aus Freunden keine Feinde geworden. Doch das Vertrauen in die USA als Schutzmacht ist bei immer mehr Deutschen dahin. Das geht aus dem Internationalen Sicherheitsreport hervor, den die Münchener Sicherheitstagung gestern veröffentlicht hat. Demnach sieht einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center zufolge inzwischen fast jeder zweite Bundesbürger in Macht und Einfluss der USA eine große Bedrohung für Deutschland – sogar im Vergleich zu China und Russland. Einen ähnlichen Vertrauensverlust gibt es bei Franzosen und Kanadiern; in Japan sind die Menschen gegenüber den USA sogar noch skeptischer.

Wenn inzwischen sogar das Misstrauen gegenüber autoritären Systemen wie Russland und China geringer ist als gegenüber den USA, dann belegt das eindeutig den politischen Handlungsbedarf in Deutschland.Norbert Röttgen, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag


„Das Misstrauen zeigt, wie groß die Verunsicherung in der Bevölkerung angesichts des Chaos ist, das sich in der Welt um uns herum ausgebreitet hat. Wenn inzwischen sogar das Misstrauen gegenüber autoritären Systemen wie Russland und China geringer ist als gegenüber den USA, dann belegt das eindeutig den politischen Handlungsbedarf in Deutschland“, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Vertrauensverlust, der ins transatlantische Verhältnis eingetreten ist, gehe zu 90 Prozent auf Kosten von US-Präsident Donald Trump. „Es wird Zeit, dass Deutschland und Europa ihre strategischen Ziele in der Außenpolitik endlich klar umreißen, damit die Bürger wissen, woran sie sind“, sagte Röttgen.

Gefährliche Sicherheitslage

Tatsächlich ist die globale Sicherheitslage der Analyse des Münchener Sicherheitsreports für 2019 zufolge „heute gefährlicher als jemals zuvor seit dem Zerfall der Sowjetunion. Die USA unter Trump legten „einen irritierenden Enthusiasmus für ‚starke Männer‘ an den Tag“. Für die „transatlantischen Verbündeten sei es schwer zu verdauen, wenn Trump illiberale Führer lobt“ – sei es in Brasilien oder auf den Philippinen, heißt es in dem Papier.

Die dreitägige Sicherheitstagung findet von Freitag an in München statt. Gastgeber Wolfgang Ischinger erwartet rund 600 Experten für Sicherheitspolitik, darunter 35 Staats- und Regierungschefs sowie an die 100 Außen- und Verteidigungsminister. Auch eine große Delegation aus den USA ist dabei. 


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