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Demonstration auf der Berlinale Hungerlöhne in Kinobranche? Cinemaxx-Mitarbeiter wollen mehr Geld

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"Arm trotz Arbeit": Während der Berlinale haben Cinemaxx-Mitarbeiter für höhere Löhne demonstriert. Foto: imago/Christian Mang"Arm trotz Arbeit": Während der Berlinale haben Cinemaxx-Mitarbeiter für höhere Löhne demonstriert. Foto: imago/Christian Mang

Berlin. Kino-Mitarbeiter haben während der Berlinale für höhere Löhne demonstriert. Die Aktion erregte Aufsehen, allerdings nicht im erhofften Maße, auch weil sich die Festivalmacher offenbar wenig solidarisch zeigen.

Am zweiten Tag der Berlinale haben Kino-Mitarbeiter vor dem Festival-Palast in Berlin für höhere Löhne demonstriert. Knapp 50 Menschen, darunter viele Beschäftigte der Kinoketten Cinemaxx, Cinestar und Yorck folgten dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und machten mit Trillerpfeifen und Transparenten auf ihre Situation aufmerksam. 

"Cinemaxx spielt uns das Lied vom Hungerlohn" und "Arm trotz Arbeit" waren die Botschaften der Demonstranten. Seit Mitte Dezember 2018 verhandelt Verdi mit Cinemaxx über höhere Löhne. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung des Einstiegslohnes auf zehn Euro und damit knapp einen Euro mehr als den aktuellen Mindestlohn (9,19 Euro). In den Tarifverhandlungen gebe es bisher keine nennenswerten Erfolge, sagte Verdi-Landesgeschäftsführer Reichel gegenüber dem RBB. 

Keine Solidarität von Berlinale

Noch im Vorfeld hatte Verdi die Macher der Berlinale zu Solidarität mit den Kino-Mitarbeitern aufgerufen. Die Argumentation: Dort, wo die Filme des Festivals laufen, arbeiten Menschen für Hungerlöhne. Das könne nicht im Interesse der Berlinale sein. Verdi forderte die Berlinale Festspielleitung dazu auf, keine Streikbrecher zu dulden. Der Festivalleitung lag offenbar mehr an einem reibungslosen Ablauf, denn an Solidarität.

Foto: imago/snapshot/M.Czapski

Die taz zitiert aus einer E-Mail an Verdi, in der die Berlinale-Leitung dazu auffordert, von Streikmaßnahmen abzusehen. Die Festivalleitung sehe die Gefahr, dass unbeteiligte Besucher getroffen werden können und setzte daher eigene nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlte Mitarbeiter ein. Gegenüber der taz erklärt eine Sprecherin, dass die Berlinale "das Engagement der Mitarbeiter des Cinemaxx und der Gewerkschaft für eine faire Entlohnung selbstverständlich respektiert". Die Aufforderung nach Solidarität sei zudem verständlich, jedoch sei die Berlinale "in dem akuten Konflikt [...] der falsche Ansprechpartner in den Tarifgesprächen. Und deswegen sind unsere Möglichkeiten begrenzt."

Was sagt Cinemaxx zu den Verhandlungen?

Cinemaxx spricht gegenüber unserer Redaktion von einer "Branchendemo", im Kino am Potsdamer Platz sei nicht gestreikt worden. "Als Kinobetreiber liegt uns die Berlinale sehr am Herzen. Wir bedauern es sehr, dass Verdi mit Gewalt versucht einen medialen Aufschrei zu generieren. Unabhängig von der rechtlichen Bewertung werden wir heute  (Freitag, 8. Februar, Anm. d. Red.) regulär eingeplante Mitarbeiter der Fremdfirma bei einem Streikaufruf vorsorglich freistellen", sagte Carsten Horn, Cinemaxx-Geschäftsführer. Der Kinobetreiber hält die Forderungen von Verdi für "unrealistisch" und bietet eine Lohnsteigerung für Servicemitarbeiter von sieben Prozent über drei Jahre an. 


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