Bundespräsident in Äthiopien Wandel in Addis Abeba: Investoren legen los

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird von Sahle-Work Zewde, Präsidentin der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien, mit militärischen Ehren empfangen.  Foto: Britta PedersenBundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird von Sahle-Work Zewde, Präsidentin der Demokratischen Bundesrepublik Äthiopien, mit militärischen Ehren empfangen. Foto: Britta Pedersen

Addis Abeba. Afrika neu denken – mit diesem Appell hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine Reise nach Äthiopien beendet. Der 100-Millionen-Einwohner-Staat mit glänzendem Wirtschaftswachstum könne das „Modell“ für eine Partnerschaft sein, in der neben klassischer Entwicklungshilfe verstärkt Eigeninitiative der Afrikaner steht.

„Wir müssen das Bild von Afrika als einem Kontinent der Krisen korrigieren“, fordert Steinmeier. Gemeinsame Antworten trügen auch dazu bei, die Massenflucht von dort in Richtung Norden und den Klimawandel aufzuhalten. Jetzt sei der „richtige Zeitpunkt“ nach Addis Abeba zu reisen und Reformen in Richtung Demokratie zu unterstützen, sagte Steinmeier. 

Tatsächlich haben dort die neue Staatspräsidentin Sahle-Work Zewde und der demokratiefreundliche Ministerpräsident Abiy Ahmed den Aufbruch in ein neues Land ausgerufen. Letzterer würde zum Hoffnungsträger, der Haftanstalten öffnet und 13 000 kritischen Journalisten beziehungsweise oppositionellen Politikern die Freiheit gibt , und der Frauen mehr Rechte gewährt. Sichtbar wird der Wandel auch im Alltag:Wolkenkratzer glitzern in der Sonne, überall wird gebaut.Dazwischen schlängelt sich eine von nden Chinesen gebaute Stadtbahn, die täglich 150 000 Passagiere in die Metropole bringt.

/0 Prozent der 100 Millionen Einwohner Äthiopiens sind unter 30 Jahre alt. Arbeitsplätze und Ausbildung sind nötig, um ihnen eine Chance zu geben. Der Bundespräsident besuchte daher in  Addis Abeba auch ein deutsch-äthiopisches Ausbildungszentrum, das vor allem Berufschullehrer auf ihre Arbeit im technischen Bereich vorbereitet. Im Mittelpunkt des Besuchs standen aber die zwei Treffen mit Premier Abiy Ahmed und der Präsidentin Sahle-Work Zewde .

Noch mal kurz den roten Teppichfegen, bevor der Gast aus Berlin kommt . Das Deutschlandlied sitzt - wie eine letzte Probe zeigt: Alles ist fertig im etwas verblichenen Präsidentenpalast in Addis Abeba, wo am Ende des roten Teppichs ein ausgestopfter Riesenlöwe die deutschen Gäste begrüßt. Steinmeier hält kurz an. Der Löwe ist ein seltsamer Gruß aus alten Zeiten, in denen vor allem Großwildjagd die Europäer nach Afrika zog. Später waren es die reichen Bodenschätze, die lockten. Jetzt kommen mögliche Investoren, die etwas aufbauen wollen. VW signalisierte in einem Memorandum Interesse an einem Engagement.

Hilfe aus dem Norden

Felix Ahlers ist einer von denen, die Hilfe zu Selbsthilfe tatkräftig praktizieren. Schon mehr als ein Jahrzehnt ist er in Addis Abeba aktiv. Eigentlich könnte der Mitinhaber und Aufsichtsratsvorsitzende der großen deutschen Tiefkühlfirma Frosta aus Bremerhaven zufrieden auf sein Lebenswerk schauen. Aber Äthiopien hat seine Leidenschaft und seinen Widerspruchsgeist geweckt. „Entwicklungshilfe zerstört die Selbstentwicklung der Leute, sie verhindert Eigeninitiative“, sagt der 52-Jährige. Die Menschen bekämen ja so oder so Hilfe, ohne dass sie dafür etwas tun müssten. So werde Abhängigkeit gefördert und nicht zuletzt auch Korruption.

Ahlers legte also mit seiner Firma „Solino“ los. „Einer muss es machen“, sagt er im Hof seines Betriebs, in dem sich alle freundlich grüßen. In Äthiopien hatte er 2007 gemerkt, dass mit dem Kaffee etwas schiefläuft. Bis 2008 war der Zoll der EU so hoch, dass Kaffee nur in Form grüner Bohnen nach Europa kam und dort geröstet wurde. Das hatte beispielsweise zur Folge, dass Deutschland zu einem der weltweit größten Exporteure von Kaffee wurde. Die Zölle wurden gesenkt, genützt hat es Ländern wie Äthiopien nicht: In Europa – in Hamburg oder Bremen - stehen längst große, vollautomatisierte Röstereien. Grüne, billige Bohnen rein, gerösteter, gemahlener, vielleicht noch entkoffeinierter Kaffee raus, frisch verpackt, fertig. Personalkosten: sehr gering.

120 neue Jobs

Dass der Kaffee in Äthiopien geröstet werden muss ( „langsam und unter Aufsicht erfahrener Röster“) ,um das Geld im Land zu halten, war für Ahlers nur logisch. „Solino“ zeigt jetzt, wie viel Wert sich die Anbauländer sichern können. Der Norddeutsche hat mittlerweile 120 Mitarbeiter in Addis Abeba. Beliefert werden inzwischen in Deutschland Karstadt und Supermarkketten wie Edeka. Dafür holte Ahlers nicht nur die Rösterei wie auch Experten nach Afrika, sondern besorgte auch Verpackungsmaschinen. 120 Tonnen Kaffee jährlich liefert Ahlers EDEKA. „Kaffee wächst hier wie Gras“ , sagt er. Er macht aus Kaffee Perspektiven. Die aber gibt es bei ihm nicht zum Nulltarif. Der Afrika-Freund erwartet von seinen Mitarbeitern „deutsche Perfektion und äthiopische Qualität“. Sonst läuft es nicht, weiß der Unternehmer.


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