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30.01.2019, 18:19 Uhr KOMMENTAR

Seenotrettung: Tauziehen um Flüchtlinge muss beendet werden

Ein Kommentar von Andre Pottebaum


Nach fast zwei Wochen an Bord der "Sea Watch" können die Insassen endlich an Land. Foto: dpa/Salvatore CavalliNach fast zwei Wochen an Bord der "Sea Watch" können die Insassen endlich an Land. Foto: dpa/Salvatore Cavalli

Osnabrück. Die Unfähigkeit der EU ist kaum noch zu ertragen. Seit Jahren ringen die Mitgliedsstaaten immer wieder um eine Entscheidung, wenn es um die Aufnahme von Bootsflüchtlingen geht. Doch verantwortlich fühlt sich niemand. Eine Lösung scheint nicht in Sicht, dabei wäre sie wichtiger denn je, meint unser Kommentator.

Es ist ein neues Kapitel in der nicht enden wollenden Farce um die Aufnahme und Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer. Fast zwei Wochen lang müssen 47 Menschen unter widrigen Umständen vor der Küste Italiens ausharren. Doch statt ihnen zu helfen entbrannt ein Wettstreit zwischen den Ländern, Gestrandete gar nicht erst ins eigene Land zu lassen. 

Das eigentliche Problem hingegen bleibt: private Schiffe, die von Schleusern genutzt werden, um möglichst viele Flüchtlinge auf engem Raum zu transportieren. Alleine im vergangenen Jahr starben nach Angaben der Vereinten Nationen im Mittelmeer pro Tag sechs Menschen – 2275 Tote insgesamt.

Dass diese Zahlen zum Umdenken in Brüssel und den Mitgliedsstaaten anregen, ist kaum zu erwarten. Dabei wäre eine gemeinschaftliche Lösung längst überfällig. Verbindliche Quoten und sichere Anlaufstellen für Boote könnten helfen, das Tauziehen um das Schicksal von Flüchtlingen endlich zu beenden, auch wenn eine Einigung mehr als fraglich scheint.


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