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30.01.2019, 16:05 Uhr KOMMENTAR

Briten sitzen beim Brexit-Vertrag falschen Illusionen auf

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Gespaltene Gesellschaft: Pro- und Anti-Brexit-Anhänger demonstrieren in der Nähe des britischen Parlaments in London. Zwei Monate vor dem Brexit ist das Risiko eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens gestiegen. Foto: Alastair Grant/AP/dpaGespaltene Gesellschaft: Pro- und Anti-Brexit-Anhänger demonstrieren in der Nähe des britischen Parlaments in London. Zwei Monate vor dem Brexit ist das Risiko eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens gestiegen. Foto: Alastair Grant/AP/dpa

Osnabrück. Das britische Parlament hatte sich dafür ausgesprochen, das mit Brüssel ausgehandelte Austrittsabkommen wieder aufzuschnüren. Die EU sollte davon absehen - und das Risiko eines Ausscheidens der Briten ohne Deal in Kauf nehmen.

Wenn britischer Humor schwarz, schräg und hart an der Kante des Erträglichen ist, dann bietet die Brexit-Posse alle dafür wesentlichen Elemente. Geradezu trotzig fordern die Abgeordneten eine Nachverhandlung des Vertrags wohl wissend, dass die EU dies schon im Vorfeld und gleich mehrfach abgelehnt hat.  

Die Backstop-Regelung zur offenen Grenze zwischen dem britischen Nordirland und der zur EU gehörenden Republik Irland nach dem Austritt zeitlich zu begrenzen hieße, dass die Rückversicherung keine Versicherung mehr wäre. Deshalb macht die EU keine Abstriche; sie EU steht bei den Iren im Wort.

Die EU sollte von substanziellen Änderungen am Vertrag absehen – und das Risiko eines Ausscheidens der Briten ohne Deal in Kauf nehmen. Denn die Union ist den Briten weit entgegengekommen; nur die Brexit-Hardliner fühlen sich übervorteilt. Sie begreifen nach jahrelangen Verhandlungen immer noch nicht, dass der gewollte Abschied von der EU auch ein Verzicht auf die Vorteile der Union ist.

Doch anstatt den Bürgern reinen Wein einzuschenken, suchen die Brexiteers wieder in Brüssel den Schuldigen.

Mag sein, dass es nach dem 29. März zwischen Inselbewohnern und Kontinentaleuropäern chaotisch wird. Das wird aber nicht von Dauer sein. Die EU ist zur Bewältigung besser gerüstet als die Briten. Letztere sind offenbar bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, dass sie nach dem denkwürdigen Datum schlechter dastehen als zuvor.


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