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29.01.2019, 17:12 Uhr KOMMENTAR ZUM WEHRBERICHT

Das Desaster bei der Bundeswehr hat einen Namen

Ein Kommentar von Marion Trimborn


Der Jahresbericht des Wehrbeauftragten zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Truppe. Foto: Julian Stratenschulte/dpaDer Jahresbericht des Wehrbeauftragten zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Truppe. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Osnabrück. Es ist ein Dejà-Vu: Auch in diesem Jahr ist der Jahresbericht des Wehrbeauftragten ein langer Mängelbericht über den Zustand der Truppe. Ein Grund sind die überbordende Verwaltung und das fehlende Personal. Doch es gibt einen Namen, der hinter dem ganzen Desaster steht.

Wer den aktuellen Wehrbericht liest, fühlt sich an Bertolt Brechts Geschichte des Herrn Keuner erinnert. Als dieser von einem alten Bekannten mit den Worten begrüßt wird: „Sie haben sich gar nicht verändert“, erbleicht Herr Keuner. Genau dieses Erschrecken schimmert auf jeder der 126 Seiten des Berichts des Wehrbeauftragten durch. Weil das Fazit lautet: Auch 2018 hat sich bei der Bundeswehr trotz vieler zusätzlicher Milliarden und vieler politischer Worthülsen mal wieder nichts verändert.

Truppe als Bürokratiemonster

Es ist die bekannte Mängelliste über Flugzeuge, die nicht fliegen, und U-Boote, die nicht fahren, über ausufernde Kosten für die Gorch Fock und Soldaten, die die Truppe als Bürokratiemonster erleben. Der Bericht ist geradezu eine Klageschrift gegen Verteidigungsministerin von der Leyen. Denn sie verantwortet das Bild der „Trümmertruppe“. Wie kann es sein, dass die Ministerin in mehr als fünf Jahren Amtszeit die versprochene Trendwende nicht geschafft und das Desaster sich verschlimmert hat? Oder konkret gefragt: Wieso ist von der Leyen eigentlich noch im Amt? 

Internationales Ansehen der Bundeswehr steht auf dem Spiel 

Die CDU-Politikerin ist bei den Soldaten äußerst unbeliebt, hat mit Geldverschwendung für externe Berater von sich reden gemacht und eklatante Fehler beim Moorbrand in Meppen zu verantworten. Will die Regierung weiter zusehen, wie die Bundeswehr zu einer drittklassigen Armee verkommt und international der Lächerlichkeit preisgegeben wird? Solange von der Leyen im Amt bleibt, dürfte sich daran nichts ändern.


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