Jahresbilanz 2018 Wehrbeauftragter: Das sind die größten Probleme der Bundeswehr

Von dpa

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Die Bundeswehr soll von derzeit etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2025 auf 203.000 Soldaten wachsen. Foto: dpa/Stefan SauerDie Bundeswehr soll von derzeit etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2025 auf 203.000 Soldaten wachsen. Foto: dpa/Stefan Sauer

Berlin. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels kritisiert in seinem Bericht zur Lage der Bundeswehr schwere Ausrüstungsmängel, eine lähmende Verwaltung sowie einen historischen Tiefstand bei der Anwerbung neuer Soldaten.

Rundumschlag des Wehrbeauftragten: Nach langen Jahren des Runtersparens kommt eine Trendwende für die Modernisierung der Bundeswehr kaum voran. In seiner Jahresbilanz nennt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels die überbordende Verwaltung als einen Grund für die Probleme. Doch er hat noch weitere Themen identifiziert. Die wichtigsten Kritikpunkte des Wehrbeauftragten im Überblick:

  • Personalmangel

Der geringere Zahl neuer Soldaten macht Bartels Sorge. "Obwohl die Bundeswehr im Berichtsjahr ein Plus von 4000 Zeit- und Berufssoldaten meldet, ist im Gegensatz dazu die Zahl der neu in die Bundeswehr eingetretenen Soldatinnen und Soldaten um 3000 auf nur noch 20.000 Neueintritte gesunken (2017: 23.000), der niedrigste Stand in ihrer Geschichte", erklärte Bartels. "Das heißt, die Bundeswehr wächst, aber sie gewinnt immer weniger neues Personal." Für den dringend nötigen Anstieg der Personalzahlen sorge derzeit vor allem die Verlängerung bestehender Zeitverträge.

Die Bundeswehr soll von derzeit etwa 180.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2025 auf 203.000 Soldaten wachsen. Fraglich ist langfristig, wie die Bundeswehr neue Posten angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels besetzen will. Für das Jahr 2025 werden aus demografischen Gründen 11 Prozent weniger Schulabgänger erwartet als noch zehn Jahre zuvor.

  • Fehlende oder kaputte Ausrüstung

Ein Hauptkritikpunkt der Soldaten bleibe fehlende Ausrüstung. "Das System der Mangelbewirtschaftung besteht in allen Bereichen fort", so Bartels. Er plädiert für ein Sofortprogramm zur Beschaffung fehlender Ausrüstung von Schutzwesten über Nachtsichtgeräte bis hin zu Ersatzteilen – er nennt es "Befreiungsschlag". Verantwortung müsse zurechenbar sei und dürfe nicht in einem Labyrinth verzweigter Zuständigkeiten verschwinden. "Ein absolutes Muss ist die Beschleunigung der Beschaffung. So steht es auch im Koalitionsvertrag", so Bartels.

Er kritisierte auch den ausufernden Transport deutscher Soldaten mit zivilen Hubschraubern in Afghanistan. Tatsächlich finde ein Großteil der Flüge für die deutschen Soldaten innerhalb Afghanistans mit zivilen angemieteten Hubschraubern statt. "Das ist nicht ideal. Deutschland sollte in der Lage sein, seine Soldatinnen und Soldaten sowohl selbst in die Einsätze zu fliegen als auch in den Einsätzen zu transportieren – am Boden wie in der Luft", sagte Bartels der Deutschen Presse-Agentur.

  • "Bürokratiemonster"

In den den Augen vieler Soldaten stecke hinter den meistenProblemen das "Bürokratiemonster Bundeswehr", so Bartels. Eine lähmende Verwaltung erschwere viele der nötigen Veränderungen.

Der Wehrbeauftragte kritisiert in seinem Bericht zu viel Zentralisierung und zugleich unklare Verantwortungstrukturen, weil zu viele Beteiligte jeweils an einem Projekt mitwirkten. "Zurechenbare Verantwortung scheint in einem Labyrinth verzweigter Zuständigkeiten zu verschwinden", so Bartels.

  • Sexuelle Belästigung

De Zahl der meldepflichtigen Ereignisse ist im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent gestiegen. So wurden 2018 288 Fälle gemeldet, im Jahr 2017 waren es 235. Nach Ansicht von Bartels könne dieser Anstieg auch durch die "MeToo"-Debatte erklärt werden, durch die das Bewusstsein für das Thema sexuelle Belästigung auch in der Bundeswehr gestiegen sei. 

Es gehe bei den Fällen häufig um unsittliche Berührungen zum Beispiel der Brüste, aber auch um Schläge auf das Gesäß. In einem Fall habe ein Stabsgefreiter als Gegenleistung für eine Mitfahrgelegenheit von einer minderjährigen Soldatin Oralsex gefordert. Die Übergriffe seien jeweils mit Disziplinarbußen und strengen Verweisen geahndet worden, so Bartels.


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