Bis 2023 Bundesregierung will Zahl der Pflege-Azubis um zehn Prozent steigern

Von afp

In Deutschland fehlen zehntausende Pflegekräfte. Foto: dpa/Frank RumpenhorstIn Deutschland fehlen zehntausende Pflegekräfte. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Berlin. Dem großen Mangel an Pflegekräften will die Bundesregierung mit einer neuen Pflege- und Ausbildungsoffensive begegnen. Bis 2023 soll die Zahl der Auszubildenden um zehn Prozent erhöht werden.

Die Bundesregierung will die Zahl der Auszubildenden in der Pflege bis 2023 um zehn Prozent erhöhen. In derselben Höhe soll auch die Zahl der Ausbildungsstätten steigen, hieß es anlässlich der ersten Bilanz zur "Konzertierten Aktion Pflege". Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigte an, dass die Rahmenbedingungen für die Ausbildung verbessert werden sollten.

Giffey hatte neben den Ministern für Gesundheit und Arbeit, Jens Spahn (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im vergangenen Jahr die "Konzertierte Aktion Pflege" ins Leben gerufen, um dem Personalnotstand in der Branche entgegenzuwirken.

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Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sollen besser werden

Nach Angaben Giffeys startete am Montag auch die "Ausbildungsoffensive Pflege", die aus 111 konkreten Maßnahmen besteht. Damit solle das Ziel erreicht werden, mehr Menschen für diesen Beruf zu begeistern und die Ausbildungsbedingungen zu verbessern. Neben einer großangelegten Informationskampagne geht es auch darum, die Ausbildungsbetriebe und Pflegeschulen fit zu machen und Menschen aller Altersgruppen mit einer gezielten Berufsberatung für die Pflege zu gewinnen.

Gesundheitsminister Spahn sprach sich ebenfalls für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen aus. Auch das Gesundheitsministerium werde sich an der entsprechenden Förderung beteiligen, erklärte er.

Bundesweite Tarifverträge sind das Ziel

Heil fügte hinzu: "Ohne gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne steuern wir auf eine Krisensituation zu." Er verwies darauf, dass mehrere Arbeitgeber aus der Wohlfahrt daran arbeiteten, einen mitgliederoffenen Arbeitgeberverband zu gründen. Dies sei notwendig, um bundesweite Tarifverträge schließen und damit letztlich auch eine bessere Bezahlung für die Pflegenden erreichen zu können. "Ich appelliere an alle Beteiligten, dieses Vorhaben möglichst bald umzusetzen."

Die drei Minister unterzeichneten mit den zuständigen Verbänden eine Vereinbarung zu Stärkung der Ausbildung. Zu den geplanten Maßnahmen gehört, dass die Verbände der Pflegeeinrichtungen mindestens 5000 Weiterbildungsplätze zur Nachqualifizierung von Pflegehelfern zur Verfügung stellen.

Kosten müssen Pflegebedürftige tragen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass die Kosten für die zusätzlichen Ausbildungsplätze alleine die Heimbewohner aufbringen müssten. "Die Zeche zahlen die Pflegebedürftigen über die Ausbildungsumlage", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur AFP.

Die Kosten, die mit den geplanten Verbesserungen einhergehen, dürften "nicht den Pflegebedürftigen und ihren Familien aufgebürdet werden", erklärte auch die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele. "Pflegebedürftige zahlen ohnehin schon viel und müssen häufig ihre gesamten Ersparnisse aufbrauchen, um die Pflege zu finanzieren."

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte angesichts des Pflegenotstands in Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen eine schnelle Umsetzung der Ausbildungsoffensive. "Der Pflegeberuf muss wieder attraktiv werden, um sich in der Konkurrenz um die Fachkräfte der Zukunft durchzusetzen", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Zehntausende Stellen fehlen

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, forderte mehr Mut und Kreativität für eine bessere Pflege in Deutschland. "Klein-Klein bringt uns nicht weiter", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Montag. Die geplante Ausbildungsoffensive sei der richtige Impuls. Unverbindliche Selbstverpflichtungen würden indes zu keiner Problemlösung führen.

In Deutschland fehlen zehntausende Pflegekräfte. Mit dem vom Bundestag verabschiedeten Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sollen unter anderem in einem ersten Schritt 13.000 neue Stellen in der stationären Altenpflege geschaffen werden, vollständig bezahlt von der gesetzlichen Krankenversicherung.


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