Nach AfD-Gutachten "Werden alles dafür tun, dass Björn Höcke nie wieder unterrichtet"

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Björn Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag. Foto: imago/Jürgen HeinrichBjörn Höcke ist Fraktionsvorsitzender der AfD im Thüringer Landtag. Foto: imago/Jürgen Heinrich

Wiesbaden. Björn Höcke ist einer der Protagonisten um die AfD-Sammelbewegung "Der Flügel", die vom Bundesamt für Verfassungsschutz zum Verdachtsfall erklärt wurde. In dem nun öffentlichen AfD-Gutachten sind weitere belastende Informationen zu finden, die auch Höckes Beruf als Lehrer gefährden.

Björn Höcke gilt nach Auffassung des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) als einer der Protagonisten der AfD-Sammelbewegung "Der Flügel". Ihm wird in dem kürzlich auf "Netzpolitik.org" veröffentlichten AfD-Gutachten eine "überragende Bedeutung" für die parteiinterne Bewegung beigemessen, die vor zwei Wochen vom BfV offiziell zum Verdachtsfall erklärt worden ist. 

Björn Höcke und das Pseudonym "Landolf Ladig"

Die Gründe sieht das BfV unter anderem darin, dass das vom "Flügel" propagierte Politikkonzept auf die Ausgrenzung, Verächtlichmachung und weitgehende Rechtlosstellung von Ausländern, Migranten, insbesondere Muslimen und politisch Andersdenkenden ausgerichtet sei und sich zudem die Relativierung des historischen Nationalsozialismus wie ein roter Faden durch die Aussagen der "Flügel"-Vertreter ziehe. 

In dem AfD-Gutachten wird jedoch nicht nur Höckes Wirken als Parteifunktionär beleuchtet, sondern auch der Vorlauf seiner politischen Karriere. Besonderes Augenmerk wird dabei den "umfangreichen und akribischen Recherchen des Soziologen Andreas Kemper" zuteil, der an der Universität Münster studierte und zahlreiche Texte von Björn Höcke mit drei Grundsatzbeiträgen sprachanalytisch verglich, die unter dem Pseudonym „Landolf Ladig“ veröffentlicht wurden.

"Keine ernsthaften Zweifel"

Ausgelöst wurde die Diskussion um eine mögliche Identität zwischen Björn Höcke und einem unter dem Pseudonym schreibenden Autor „Landolf Ladig“ durch "frappierende Übereinstimmungen zwischen einem Leserbrief Höckes aus dem Jahr 2008 in der 'Jungen Freiheit' (JF) und später veröffentlichten Texten in den rechtsextremistischen Publikationen 'Volk in Bewegung' (ViB) und 'Eichsfeld-Stimme'", heißt es in dem AfD-Gutachten.

Kempers Fazit lautet, dass die Annahme einer Identität zwischen „Ladig“ und Höcke "keine ernsthaften Zweifel" zulasse. Das rechtfertige es, "die 'Ladig'-Texte auch inhaltlich stärker zu beleuchten, um weitere Rückschlüsse auf Reichweite und Radikalität der ideologischen Grundpositionen des 'Flügel'-Protagonisten ziehen zu können". Neben vielen Textpassagen wird beispielsweise ein "Ladig"-Text aus dem Jahr 2011 zitiert, der die Geschichtsdeutung des Nationalsozialismus explizit positiv darstellt und ihn als „erste Antiglobalisierungsbewegung“ benennt: 

Eine Ahnung schleicht sich dabei vielleicht bei immer mehr gebildeten Angelsachsen ein, daß eben nicht die Aggressivität der Deutschen ursächlich für zwei Weltkriege war, sondern letztlich ihr Fleiß, ihre Formliebe und ihr Ideenreichtum. Das europäische Kraftzentrum entwickelte sich so prächtig, daß die etablierten Machtzentren sich gezwungen sahen, zwei ökonomische Präventivkriege gegen das Deutsche Reich zu führen. Der zweite Krieg war allerdings nicht nur ökonomisch motiviert, sondern darf auch als ideologischer Präventivkrieg angesprochen werden, hatte sich im nationalsozialistischen Deutschland doch eine erste Antiglobalisierungsbewegung staatlich etabliert, die, wären ihr mehr Friedensjahre zur Erprobung vergönnt gewesen, wahrscheinlich allerorten Nachahmer gefunden hätte.Landolf Ladig

Keine Rückkehr als Lehrer

Nach Auffassung des Bundesamtes für Verfassungsschutz bringen die analysierten „Ladig“-Texte "eine zweifelsfrei verfassungsfeindliche Haltung zum Ausdruck, [...] die in unüberbrückbarem Gegensatz zum Kernbestand Menschenwürde, Demokratieprinzip und Rechtsstaatlichkeit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehen."

Folgt man der Annahme, dass es sich bei "Ladig" und Höcke um ein und dieselbe Person handelt, wird deutlich, warum Höckes politische Haltung nicht nur sehr stark mit seiner politischen Karriere, sondern auch mit seiner beruflichen kollidiert. Denn Björn Höcke ist verbeamteter Lehrer in Hessen. Zwar ist er aktuell aufgrund seiner Tätigkeit im Thüringer Landtag auf eigenen Wunsch hin beurlaubt, aber nach wie vor im Beamtenstatus. 

Selbst wenn das hessische Kultusministerium Höcke wegen seiner Äußerungen oder der neuen Informationen bezüglich seines mutmaßlichen Pseudonyms "Landolf Ladig" rechtlich belangen wollen würde, könnte es dies aufgrund der Beurlaubung derzeit nicht. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums allerdings: "Wir werden alles dafür tun, dass Björn Höcke nie wieder unterrichtet." 

Sollte sich der AfD-Politiker eines Tages auf seine beruflichen Wurzeln besinnen wollen, wäre man bemüht, eine Lösung zu finden, so der Sprecher. Vor Kindern solle Höcke aber nicht mehr sprechen dürfen.

Lesen Sie: Gutachten durchgesickert: Verfassungsschutz weist AfD-Vorwürfe zurück


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN