Vermeintliche Vermittlung von Scheinehen Geht es wirklich "um Liebe"? Aufregung um "Mission Lifeline"-Tweet

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Flüchtlinge auf einem Schlauchboot werden vom Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline aufgenommen (Symbolbild). Foto: Hermine Poschmann/dpaFlüchtlinge auf einem Schlauchboot werden vom Rettungsschiff Lifeline der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline aufgenommen (Symbolbild). Foto: Hermine Poschmann/dpa

Dresden. Wollten Seenotretter der "Mission Lifeline" zu Scheinehen auffordern? Die Hilfsorganisation erntet erneut viel Kritik nach einem umstrittenen Tweet.

Sie sollen für Scheinehen mit Asylbewerbern geworben haben. Mit einem umstrittenen Tweet sorgen die Seenotretter der "Mission Lifeline" für Aufregung in den sozialen Netzwerken. Darin heißt es: "Ihr seid noch nicht verheiratet? Vielleicht verliebt Ihr Euch zufällig in einen Menschen, der*die hier noch kein Bleiberecht hat. Könnte passieren, oder? Bleibt offen!"

Ist der Tweet Werbung für Scheinehen?

Gegenüber unser Redaktion wollte sich Medienanwalt Peter Hense, den die Hilfsorganisation nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung einschaltete, nicht weiter äußern.

"Mission Lifeline" wies in einem Tweet den Vorwurf, zu Scheinehen aufgefordert zu haben, zurück. Es erschließe sich nicht, warum dieser Eindruck entstanden sei, hieß es. Man habe lediglich Spenden für die Seenotrettung einwerben wollen. „Lifeline“-Mitbegründer Axel Steier (44) sagte, statt um Ehen gehe es "um Liebe“.

Zur Sache

"Mission Lifeline"
Die in Dresden ansässige Hilfsorganisation hat es sich zum Ziel gesetzt, schiffbrüchige Flüchtlinge auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken zu retten. Die Einsätze sind nicht unumstritten. Kritiker halten der Organisation vor, sie sorgte durch ihre Arbeit erst dafür, dass Menschen versuchten, die gefährliche Route über das Mittelmeer zu überwinden, um in Europa Asyl zu bekommen. 

Das Rettungsschiff "Lifeline" saß im Sommer 2018 fast eine Woche auf dem Mittelmeer fest, nachdem es rund 230 Migranten vor Libyen gerettet hatte. Kapitän Claus-Peter Reisch wurde in Malta vor Gericht angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, das von der Hilfsorganisation betriebene Schiff fehlerhaft registriert zu haben. Ein Urteil wird im März erwartet. "Mission Lifeline" vermutet politische Motive hinter dem Prozess, um das Rettungsschiff am Auslaufen zu hindern.

"Mission Lifeline" geriet durch die Einsätze im Mittelmeer schon häufiger in die Kritik. Widersacher meinen, die Flüchtlingsretter sorgten durch ihre Arbeit erst dafür, dass sich mehr Menschen aufs Mittelmeer wagten und illegal versuchten, europäisches Festland zu erreichen. Für diese Stimmen ist der Heirats-Tweet ein gefundenes Fressen.

Die Reaktionen – viel Kritik

So spricht der Innen- und EU-Experte Philipp Amthor (26, CDU) in der "Bild"-Zeitung von einem Skandal und bezeichnet die Twitter-Botschaft als Aufruf zu Scheinehen. „Dieser absurde Aufruf zum Eingehen von Scheinehen zeigt überdeutlich, dass diese ‚Seenotretter‘ in Wahrheit eine viel größere Agenda verfolgen. Sie wollen unser Ausländerrecht mit ihrer linken Ideologie hintertreiben und unseren Rechtsstaat an der Nase herumführen", sagt Amthor.

Auch der Vize-Chef der FDP-Bundestagsfraktion Michael Theurer (52) äußert sich gegenüber "Bild": „Die Organisation diskreditiert sich mit diesem Quasi-Aufruf zur Scheinehe nicht nur selbst, sondern vor allem auch andere Hilfsorganisationen“, meint Theurer. Er spricht auch von einer "extrem politischen Zielsetzung".

Auch in den sozialen Netzwerken wird zahlreiche Kritik an der missverständlichen Botschaft laut. 

Ein Kommentator meint, die Hilfsorganisation habe damit eine Grenze überschritten: "Blankes Unverständnins. Ein Glück seid ihr nur durch Spenden finanziert und verschwendet nicht unsere Steuergelder. Ich hoffe nur dass euer Schiff ordentlich gewartet wird .... Hilfe ist ja okay, aber nur bis zu einem gewissen Punkt .... den habt ihr leider gerade überschritten."

Für andere Kommentatoren ist klar, dass sich "Mission Lifeline" durch den Tweet selbst geschadet habe:
"Ich bin ja eher liberal, aber mit diesem Aufruf habt Ihr Euch gehörig selbst geschadet. Und jetzt noch nach einem kostenlosen Anwalt gegen die Bild schreien. Dämlicher gehts nimmer."

Am Montag kündigte Mission Lifeline an, juristisch gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung vorzugehen. Die Hilfsorganisation erklärte auch, warum "Abschottungspolitiker" Menschen in die Hände von Schleusern treiben würden. Das Statement im Video:



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