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Teilhabe am gesellschaftlichen Leben Podiumsteilnehmer in Osnabrück diskutieren Rolle der Moscheegemeinden in Deutschland

Innenminister Boris Pistorius diskutierte mit über die Rolle der Moscheegemeinden in Deutschland. Foto: Thomas OsterfeldInnenminister Boris Pistorius diskutierte mit über die Rolle der Moscheegemeinden in Deutschland. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Welche Rolle können und sollen Moscheegemeinden in Deutschland spielen? Über dieses Thema haben prominente Teilnehmer einer Podiumsdiskussion am Montagabend an der Universität Osnabrück debattiert. Das Institut für islamische Theologie hatte dazu eingeladen.

Bremen und Hamburg haben es vorgemacht: Die Bundesländer haben bereits einen Staatsvertrag mit Muslimen abgeschlossen. Die rot-grüne niedersächsische Landesregierung hat es sich in die Koalitionsvereinbarung geschrieben, in Niedersachsen ebenfalls einen solchen Vertrag umzusetzen. Als eine Möglichkeit der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bezeichnete Emine Oguz vom Ditib Landesverband Niedersachsen so einen Vertrag. „Wir haben die Hoffnung, dass wir auch in Niedersachsen einen Staatsvertrag bekommen“, sagte sie während der Diskussion, die von dem ZDF-Moderator Abdul-Ahmad Rashid geleitet wurde.

Die Runde kam nicht drum herum, die Frage nach den Vertragspartnern einer solchen Vereinbarung aufzuwerfen. Die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates forderte deutlich von den Muslimen, sich systematischer zu organisieren, um als klarer Ansprechpartner für einen solchen Vertrag gelten zu können. „Es bleibt die Frage, ob die Verbände, die hier unterschreiben, wirklich alle Muslime vertreten“, sagte Ates. Dem Islam sei eine kirchenähnliche Struktur fremd. Die Meinung zu diesem letzten Punkt teilten Emine Oguz und Engin Karahan von der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs zwar. Sie betonten jedoch, dass eine bessere Organisation ihrer Ansicht nach keine Voraussetzung für einen Staatsvertrag sein dürfe.

Innenminister Boris Pistorius (SPD) sprach von einem regen Austausch unterschiedlicher Positionen auf dem Podium, der ihn beeindrucke. „Er zeigt, wie kontrovers auch innerislamisch diskutiert wird“, sagte der frühere Osnabrücker Oberbürgermeister. Er betonte, wie wichtig es ihm sei, den Diskurs mit den Moscheegemeinden anders zu gestalten als sein Vorgänger Uwe Schünemann (CDU). Ihm warf er vor, den Blick zu sehr auf eine kleine Gruppe potenziell gewaltbereiter Muslime gelenkt zu haben. „Islam und Islamismus haben nicht mehr gemeinsam als die ersten beiden Silben“, sagte Pistorius. Extremisten würden die Religion für ihre Zwecke missbrauchen.

Der Vorsitzende vom Ditib Landesverband Niedersachsen, Yilmaz Kilic, hob hervor, wie aktiv in den Moscheegemeinden über Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland gesprochen werde. „Besonders die jungen Muslime setzen sich mit diesem Thema auseinander und diskutieren mit“, sagte Kilic. „Und sie zwingen die älteren Muslime dazu, dies auch zu tun.“ Es sei wichtig, die Inhalte eines Staatsvertrags der Basis zur Diskussion zu geben. Die Bereitschaft, hier mitzuwirken, sei groß. „Ein Vertrag, der von oben aufgezwungen wird, kann nur scheitern“, sagte er.


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