Nach Angriff auf Jagdhunde in Brandenburg FDP: Schäfer und Jäger müssen Wolf im Notfall erschießen dürfen

Zwei Wölfe - aufgenommen in einem Wildpark. Foto: Carsten Rehder/dpaZwei Wölfe - aufgenommen in einem Wildpark. Foto: Carsten Rehder/dpa 

Osnabrück. Ein Wolf attackiert Jagdhunde. Ein Jäger drückt ab und erschießt das Raubtier. Hat er sich damit strafbar gemacht? Die Rechtslage ist unklar. Das muss sich ändern, fordert die FDP im Bundestag.

Die FDP fordert Straffreiheit für Jäger und Schäfer, die sich oder ihre Tiere gegen Wölfe verteidigen. „Es ist dringend an der Zeit, Klarheit bei den gesetzlichen Regelungen herzustellen“, betonte FDP-Politiker Karlheinz Busen, jagdpolitischer Sprecher seiner Bundestagsfraktion.

Video: Antrag auf Wolfs-Abschuss in Schleswig-Holstein gestellt

 Er reagierte damit auf den Abschuss eines Wolfes durch einen Jäger in Brandenburg. Das Raubtier soll zuvor Jagdhunde bei einer Treibjagd angegriffen haben. Die Polizei ermittelt. „Bei Notwehr ist es die richtige Entscheidung gewesen“, so Busen.

Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste im Bundestag kommt  indes zu dem Ergebnis, dass die Rechtslage derzeit unklar ist. Im Gutachten heißt es: Grundsätzlich sei zwar denkbar, dass die Tötung eines Wolfes als Verteidigungsnotstand gewertet wird und der Schütze straffrei ausgeht. Ob ein Notstand vorgelegen habe, sei aber letztlich im jeweiligen Einzelfall zu entscheiden. Busen forderte, jeder Weidetierhalter müsse seine Schafe „ohne Wenn und Aber“ verteidigen dürfen, wenn sie von einem Wolf angegriffen werden. Es sei Schäfern und Jägern nicht zuzumuten, dass sie tatenlos Angriffen zuschauen müssten. 

Der Wolf ist streng geschützt

Der Wolf gilt als streng geschützte Art. Wer ihn vorsätzlich verletzt oder tötet muss nach Bundesnaturschutzgesetz mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Die Zahl der Wölfe hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Immer wieder kommt es zu Angriffen auf Nutztiere wie beispielsweise Schafe.  

Foto: picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

Es ist nicht der erste Wolf in Brandenburg, der bei einer Jagd erschossen wurde. Im November 2017 war eine Wölfin bei einer Gesellschaftsjagd bei Bad Belzig von einem dänischen Jäger getötet worden. Die Staatsanwaltschaft Potsdam stellte das Ermittlungsverfahren im August 2018 gegen die Zahlung einer vierstelligen Geldbuße ein. 

Der böse Wolf? Wolfsexperte über Gefahren für den Menschen

Reinhard Jung vom Bauernbund Brandenburg sagte angesichts des Jagdvorfalls: „Der betroffene Jäger hat unsere volle Solidarität.“ Jung forderte, Wölfe in Brandenburg per Abschuss zu begrenzen. Ähnliche Debatten gibt es bundesweit. Innerhalb der Bundesregierung wird ebenfalls gestritten. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) befürwortet eine Bejagung, Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) ist dagegen . (Weiterlesen: Umweltministerin Schulze über Bio-Discount, Tierwohl und den Wolf)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN