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20.01.2019, 17:34 Uhr HALBZEITBILANZ DES US-PRÄSIDENTEN

Die Jagd auf Donald Trump hat längst bizarre Züge angenommen

Ein Kommentar von Michael Clasen


Polarisiert: US-Präsident Donald Trump ist jetzt seit zwei Jahren im Amt.  Foto: Brendan Smialowski / AFPPolarisiert: US-Präsident Donald Trump ist jetzt seit zwei Jahren im Amt. Foto: Brendan Smialowski / AFP

Osnabrück. Im Land der Superlative hat Donald Trump einen Rekord sicher: Noch nie wurde über einen US-Präsidenten so viel Häme und Hass ausgegossen wie über den 45. Präsidenten.

Möglich, dass im Weißen Haus ein Protzer mit dem Charme eines neureichen Proleten sitzt. Doch ist er deshalb ein Idiot, wie seine Gegner meinen? Ein Geistesgestörter, der den Weltfrieden gefährdet, unfähig, die USA zu regieren? 

Vor der Wahl hatten fast alle Experten einen Erdrutschsieg der Demokraten vorhergesagt. Seitdem haben sich die meisten Akteure des Washingtoner Establishments nicht von dem Schock erholt, dass die Bürger eine eigene Meinung haben. Der Aufschrei klingt bis heute nicht ab, da Trump umsetzt, was er im Wahlkampf versprochen hat. Man mag den Austritt aus dem Klimaabkommen, die Vollendung der Mauer zu Mexiko oder die Reduzierung des Handelsdefizits mit China für unsinnig halten, aber dafür wurde er gewählt.

Die Hysterie nimmt Züge einer Trump-Phobie an, insbesondere in Deutschland. Egal, was er tut, es ist entweder grundfalsch oder eine Katastrophe. Beispiel Nordkorea: Trifft er sich mit dem Diktator, wird ihm vorgeworfen, er hofiere naiv einen Massenmörder. Lässt er es bleiben, heißt es voller Schadenfreude: Seht, der US-Präsident verweigert sich dem Friedensdialog. Oder Syrien. Schickt Trump Bomber, entfacht er einen Flächenbrand; zieht er die Truppen ab, ebenso. Die Jagd auf Trump hat längst bizarre Züge angenommen.


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