Unterschiedliche Angaben zur Teilnehmerzahl Mehrere Tausend demonstrieren in Berlin für Agrarwende

Von KNA

Mehrere Tausend Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstag in Berlin für eine klimafreundlichere Landwirtschaft demonstriert. Foto: imago/Metodi PopowMehrere Tausend Menschen haben nach Polizeiangaben am Samstag in Berlin für eine klimafreundlichere Landwirtschaft demonstriert. Foto: imago/Metodi Popow

Berlin. Für eine Wende in der Agrarpolitik und mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft haben am Samstag mehrere Tausend Menschen in Berlin demonstriert.

Anlässlich der Agrarmesse Grüne Woche zog der Demonstrationszug, angeführt von mehr als 150 Traktoren, vom Brandenburger Tor aus durch das Regierungsviertel. Die Polizei sprach von weniger als den 12.000 angekündigten Teilnehmern; die Veranstalter erklärten, 35.000 Menschen hätten demonstriert.

Die Demonstration stand unter dem Motto „Wir haben Agrarindustrie satt!" Am Morgen übergaben die Teilnehmer eine Protestnote an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und die zu einer Konferenz versammelten 70 Agrarminister aus aller Welt. Darin fordern sie eine zukunftsfähige EU-Agrarreform, eine Abkehr von pauschalen Flächensubventionen sowie Unterstützung für eine umweltfreundliche bäuerliche Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung. Über 100 Organisationen hatten zu der Demo aufgerufen.

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Laut Protestnote werden in der EU jährlich 60 Milliarden Euro und in Deutschland jedes Jahr 6,3 Milliarden Euro an EU-Agrargeldern ausgeschüttet. In Deutschland gingen mehr als drei Viertel davon als pauschale Subventionen je Hektar Fläche. „Die 3.300 flächengrößten Betriebe erhalten eine Milliarde Euro im Jahr, während die kleinsten 200.000 Bauernhöfe sich knapp 700 Millionen teilen müssen", erklärte Bündnis-Sprecherin Saskia Richartz. Klöckner müsse endlich die Interessenvertretung der Industrie beenden und eine Politik für Bauern, Bienen und lebensfähige Dörfer machen.

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Zuvor hatte ein Bündnis von Entwicklungsorganisationen ebenfalls gegen die industrielle Landwirtschaft Stellung bezogen. Sie bedrohe die Existenz kleinbäuerlicher Erzeuger und gefährde die natürlichen Lebensgrundlagen in Europa und im globalen Süden. In dem Positionspapier forderten 56 zivilgesellschaftliche Organisationen, darunter auch die kirchlichen Hilfsorganisationen „Brot für die Welt" und Misereor, die Bundesregierung auf, Agrarökologie zum zentralen Förderkonzept zur Armutsbekämpfung und zur Anpassung an die Klimakrise zu machen.

Ertragssteigerung um jeden Preis sei keine Lösung, so das Bündnis. Mit der Agrarökologie gebe es ein wirksames Gegenmodell. Das Konzept basiere auf ökologischen Prinzipien, dem politischen Ansatz der Ernährungssouveränität und dem Recht auf angemessene Nahrung. Es baut auf den Prinzipien des ökologischen Landbaus auf. Dazu zählen der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, der Kreislauf von Boden-Pflanze-Tier und Mensch sowie der Verzicht auf Mineraldünger und Pestizide.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Auch angesichts der Herausforderungen der weltweiten Klimakatastrophe sei ein Umdenken dringend nötig, so die Nichtregierungsorganisationen. Diversifizierte Anbausysteme machten die Landwirtschaft krisensicherer gegenüber Wetterextremen.

„Um der Agrarökologie zum Durchbruch zu verhelfen, muss die Bundesregierung schädliche Programme schnellstmöglich beenden. Daher muss sie aus der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika aussteigen", forderte das Bündnis.


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