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Zunehmende Selbstbewaffnung Bürger beantragten 2018 mehr Kleine Waffenscheine

Die Bundesbürger haben auch 2018 wieder mehr Kleine Waffenscheine beantragt. Foto: Oliver Killig/dpaDie Bundesbürger haben auch 2018 wieder mehr Kleine Waffenscheine beantragt. Foto: Oliver Killig/dpa

Osnabrück. Der Trend zur Selbstbewaffnung hält in Deutschland an: Die Zahl der Bürger mit kleinem Waffenschein ist auch 2018 erneut gestiegen - allerdings geringer als in den Vorjahren. Die Polizeigewerkschaft GdP warnt, dass Waffen nur eine scheinbare Sicherheit geben und neue Gewalt auslösen können.

Am 31. Dezember 2018 waren im Nationalen Waffenregister 610 937 Scheine gemeldet, die es erlauben, Schreckschusspistolen oder Pfefferspray zu tragen. Das waren 53 377 oder 9,6 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Das zeigen Zahlen des Bundesinnenministeriums, die unserer Redaktion vorliegen.

Zuwachs etwas geringer

Der Zuwachs hat sich dabei allerdings etwas abgeschwächt. Im Jahr 2017 war die Zahl der Inhaber von  Kleinen Waffenscheine noch um 87 800 gestiegen. Besonders deutlich waren die Anträge 2016 – vor allem nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht – nach oben geschnellt (um 183 830 Scheine).

Privatleute besitzen mehr Schusswaffen

Auch die Zahl der Schusswaffen, die in Deutschland in privater Hand sind, hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Zum Jahresende 2018 waren knapp 5,4 Millionen Waffen beziehungsweise Waffenteile im Nationalen Waffenregister registriert - 27 000 mehr als ein Jahr zuvor. Die meisten davon (3,6 Millionen) waren sogenannte Langwaffen, also etwa Jagdgewehre, Büchsen und Flinten. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands wird die Jagd immer beliebter, 383 828 Menschen besitzen inzwischen in Deutschland einen Jagdschein. Der Rest waren Kurzwaffen, also Pistolen und Revolver, die etwa von Sportschützen genutzt werden.

Nationales Waffenregister 

Das Nationale Waffenregister (NWR) wurde 2013 in Betrieb genommen, um den legalen privaten Waffenbesitz in Deutschland einfacher erfassen zu können. Es zeigt, wie viele Schusswaffen es in Deutschland gibt und wem sie gehören. Gespeichert sind Daten zu erlaubnispflichtigen Waffen wie Pistolen, Revolvern oder Gewehren.

Der Kleine Waffenschein erlaubt es seinem Inhaber, bestimmte Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen zu besitzen und mit sich zu führen, also in der Öffentlichkeit zu tragen. Wer solch eine Waffe ohne Lizenz bei sich hat, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss ein Bußgeld zahlen. Außerhalb von Schießständen und dem eigenen Grundstück ist die Benutzung der Waffen grundsätzlich verboten - benutzt werden dürfen sie nur bei Notwehr oder Notstand.

Gründe sind vielschichtig

Die Gründe für die zunehmende Bewaffnung sind vielschichtig. Die Polizeigewerkschaft beklagt, dass die sichtbare Polizeipräsenz auf den Straßen weniger geworden sei und sich Nachrichten über Kriminalität sehr schnell verbreiteten. Dadurch wachse bei vielen Bürgern ein latentes Unsicherheitsgefühl. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei GdP, Oliver Malchow, sagte unserer Redaktion: „Diese Entwicklung bestätigt unsere Befürchtung, dass die Bürger dem Staat, also vor allem der Polizei, nicht mehr genug zutrauen, sie zu beschützen.“

Polizeigewerkschaft befürchtet Eskalation

Die GdP warnt davor, dass der Einsatz von Schreckschusswaffen und Pfefferspray neue Gewalt hervorrufen könne. Malchow sagte: „Solche Waffen suggerieren eine trügerische Sicherheit oder auch höhere Verteidigungsbereitschaft. Genau das kann eine Lage eskalieren lassen und den Nutzer möglicherweise selbst zum Straftäter machen.“ Der Träger sei zudem in erhöhter Gefahr, weil sein Gegenüber nicht erkennen könne, ob es sich um eine Schreckschusspistole handle.

Linke: "Nicht jeder, der Waffenschein hat, ist geeignet"

Die Linke verwies darauf, dass der Trend zur zunehmenden Bewaffnung umgekehrt proportional zur tatsächlichen Entwicklung schwerer Gewalttaten - die schon seit Jahren rückläufig sei – verlaufe. Die innenpolitische Sprecherin der Linken Ulla Jelpke, sagte: „Das ist ganz offensichtlich die Folge der Panikmache durch Law-and-Order-Politiker wie Innenminister Horst Seehofer und rechterHetzer wie die AfD, die zu einem allgemeinen Gefühl der Verunsicherung beitragen." Ihrer Ansicht nach bringt die immer weitere Verbreitung von Waffen in privater Hand nicht mehr öffentliche Sicherheit, sondern weniger: „Denn nicht jeder, der einen Waffenschein bekommt, ist wirklich dafür geeignet“, kritisierte Jelpke.



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