Neue Sammlungsbewegung "Werteunion" Konservative in der Union werben um wechselwillige AfD-Mitglieder

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Protest von AfD-Anhängern vor dem Brandenburger Tor. Wer in der neuen Sammlungsbewegung mitmachen will, muss parteilos sein. Foto: dpa/Kay NietfeldProtest von AfD-Anhängern vor dem Brandenburger Tor. Wer in der neuen Sammlungsbewegung mitmachen will, muss parteilos sein. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Berlin. Mit der Werteunion wurde eine Sammlungsbewegung ins Leben gerufen, mit der das Profil von CDU/CSU deutlich konservativer ausfallen soll. Das Ziel: Ehemalige Mitglieder und Wähler zurückzugewinnen. Im Interview erläutert der Vorsitzende Alexander Mitsch seine Vision.

Die Werteunion, ursprünglich ein bundesweiter Zusammenschluss von konservativen Mitgliederinitiativen in der CDU und CSU, hat eine neue Sammlungsbewegung gegründet. Auf der Bundesvorstandssitzung in Erfurt wurden die nötigen Schritte eingeleitet. Damit will man vor allem frustrierte ehemalige Wähler und Mitglieder der Union zurückgewinnen. Der Vorsitzende der Werteunion, Alexander Mitsch, hatte bereits Ende vergangenen Jahres, kurz nach der Wahl der neuen CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, das Szenario einer Partei-Neugründung ins Spiel gebracht. Im Gespräch mit unserer Redaktion erläutert er das Konzept der neuen Sammlungsbewegung:

Herr Mitsch, warum bedarf es im konservativen Lager einer eigenen Sammlungsbewegung? Sind Ihre Ziele nicht mehr innerhalb der CDU/CSU umzusetzen?

Unser erster Ansatz bleibt, dass wir innerhalb der Union für den notwendigen Politikwechsel wirken wollen. Aber wir haben festgestellt, dass es viele Bürger gibt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht in einer Partei mitarbeiten möchten. Genauso gibt es viele, die sagen, solange Angela Merkel noch wesentliche Verantwortung trägt, sind sie nicht bereit, innerhalb der Union mitzuarbeiten. Genauso sind es auch solche, die aus der Partei ausgetreten sind. Diese ehemaligen Wähler und Mitglieder wollen uns unterstützen, ohne aber in die Partei einzutreten. Und bevor sich diese Menschen in anderen Parteien einbringen, wollen wir ihnen diese Möglichkeit geben.

Meinen Sie damit explizit Mitglieder der AfD und ihre Wähler?

Das wäre zu verengt betrachtet. Die AfD ist sicherlich eine Gruppierung, zu der wir Abwanderungsbewegungen verhindern wollen – aber es gibt ja zum Beispiel auch noch die Freien Wähler, die FDP oder andere konservative, kleinere Parteien.

Was wir nicht wollen, sind Menschen, die in irgendeiner Weise links- oder rechtsradikal sind.Alexander Mitsch

In Ihren Statuten heißt es, dass Mitglieder willkommen sind, die der Idee der CDU/CSU nahestehen – aber eben keiner anderen Partei angehören. Ein durchaus anderer Ansatz, als ihn die linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" von Sahra Wagenknecht praktiziert.

Stimmt, wir wollen innerhalb der Union einen Politikwechsel hinbekommen. Wer sich für eine andere Partei entschieden hat und dort bleiben will, der passt nicht zu uns. Parteilose sind willkommen – das gilt auch für ehemalige Mitglieder anderer Parteien, auch der AfD. Was wir nicht wollen, sind Menschen, die in irgendeiner Weise links- oder rechtsradikal sind. Unsere Mitstreiter müssen sich natürlich zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und der christdemokratischen beziehungsweise christsozialen Politik bekennen.

Diplom-Kaufmann Alexander Mitsch aus Heidelberg. Foto: dpa/Uli Deck

Wer also bereits in der Vergangenheit innerhalb der AfD gewirkt hat, der ist bei Ihnen willkommen?

Es gibt sehr viele gute ehemalige CDU-Leute, die zur AfD, den Freien Wählern oder zu anderen Gruppierungen abgewandert sind – wenn diese sich entschließen, zu uns zurückzukommen, dann können sie das natürlich tun. Am Anfang muss aber immer die Entscheidung stehen, dass man seiner ehemaligen Partei mit Überzeugung den Rücken gekehrt hat.

Es gab es keinen Abstimmungsbedarf mit dem Bundesvorstand.Alexander Mitsch

Haben Sie nach Ihrem Beschluss vom Wochenende schon Anrufe aus dem Vorstand von CDU oder CSU bekommen? Immerhin dürften bei dem ein oder anderen die Alarmglocken schrillen.

Es muss für die Parteiführung eher ein Alarmsignal sein, dass die Union in den letzten Jahren Zehntausende Mitglieder und Millionen an Wählern verloren hat. Uns allen muss es gelingen, diese Menschen wieder davon zu überzeugen, dass eine christdemokratische beziehungsweise christsoziale Politik die Richtige ist. Eine Voraussetzung dafür ist aber, dass wir als Union wieder ein ordentliches politisches Profil bekommen, also die richtigen Akzente setzten. Dazu zählen vor allem die wesentlichen Themenblöcke Einwanderung und innere Sicherheit sowie Senkung von Abgaben und Steuern. Dann werden wir die Bürger auch wieder überzeugen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen.

Abgestimmt haben sich vorher aber nicht?

Nein. In der Vergangenheit hatte der CDU-Bundesvorstand festgestellt, dass die Werteunion keine offizielle Vereinigung der Union ist. Insofern gab es keinen Abstimmungsbedarf.


Kernthesen der Werteunion "für ein starkes Deutschland"

  • Leistung belohnen und fördern  
  • Europa mit Freiraum gestalten  
  • Einwanderung begrenzen und steuern  
  • Innere und äußere Sicherheit stärken  
  • Rentenreform angehen

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