SPD-Politiker mit meisten Tweets Kahrs Kampfansage: "Twitter nicht der rechtsradikalen AfD überlassen"

Johannes Kahr ist der Twitter-König 2018 – er setzte mit Abstand die meisten Tweets aller Politiker ab. Foto: dpa/Ole Spata/Michael KappelerJohannes Kahr ist der Twitter-König 2018 – er setzte mit Abstand die meisten Tweets aller Politiker ab. Foto: dpa/Ole Spata/Michael Kappeler

Berlin. Johannes Kahrs twitterte 2018 deutlich am meisten. Auf den weiteren Plätzen positionieren sich vor allem AfD-Vertreter.

Nicht erst seit US-Präsident Donald Trump, der mit einem Tweet bereits Staatskrisen auslöste, rücken die sozialen Kanäle von Politikern immer mehr in den Fokus und das Zentrum der politischen Debatte. Besonders stark werden soziale Kanäle hierzulande bekanntlich von der Alternative für Deutschland (AfD) als Sprachrohr genutzt. 

Laut dem Meinungsforschungs-Institut Pollytix hauen Vertreter der Partei nicht nur am meisten in die Tasten auf Twitter – die Partei hat auch die größte Fan-Gemeinde auf Facebook. Und zwar mit 445.000 sogar deutlich mehr als die Koalitionspartner SPD (188.000) und CDU (185.000) zusammengenommen.  

Nicht selten stehen AfD-Politiker in der Kritik aufgrund ihres Umgangs mit den sozialen Kanälen. Etwa AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier, der den Sohn von Tennis-Star Boris Becker in einem Tweet als  "kleiner Halbneger" rassistisch beschimpfte oder AfD-Politikerin Beatrix von Storch, die als Reaktion auf einen Silvester-Tweet der Polizei in arabischer Sprache von "muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden" geantwortet hatte. 

"Es braucht hier Haltung, klare Kante, Diskussion, Information"

Auch bei vermeintlichen Terroranschlägen, Messerangriffen oder Vergewaltigungen warten AfD-Politiker wie Alice Weidel nur selten auf Ermittlungsergebnisse der Polizei und vorverurteilen Verdächtige vorzeitig auf Facebook oder Twitter in ihren Beiträgen.

Wie auch Alice Weidel, die kurz nachdem ein 35-Jähriger in Chemnitz erstochen worden war, auf Facebook schrieb: "Syrer und Iraker metzeln Opfer mit 25 Stichen nieder!" Kurz darauf wurde der Iraker aus Mangel an Beweisen wieder frei gelassen. Zudem berichtete die Polizei von fünf und nicht 25 Stichen. 

Deshalb meint Johannes Kahrs, SPD-Politiker und Mitglied des Bundestags, in einem Tweet: "Man darf Twitter nicht der rechtsradikalen AfD überlassen. Die AfD entwickelt sich von einen rechtsradikalen zu einer rechtsextremistischen Partei. Daher braucht es hier Haltung, klare Kante, Diskussion, Information."

Zu seinem Appell teilte Kahrs eine Statistik darüber, wer 2018 die meisten Tweets abgegeben hat. Diese Liste führt er mit 28.065 Tweets an, das sind knapp 77 Beiträge pro Tag. Die nächsten drei Plätze werden von AfD-Politikern besetzt, die insgesamt fünf der zehn vordersten Plätze besetzen. 

Ob sich dieser Trend 2019 fortsetzt oder Politiker-Kollegen von Johannes Kahrs sich ein Beispiels an ihm nehmen und dieses Jahr "zurücktwittern", bleibt abzuwarten. Klar dürfte hingegen sein, dass soziale Kanäle immer weiter an Bedeutung gewinnen werden, was den öffentlichen Diskurs angeht – auch wenn Grünen-Chef Robert Habeck das anders sieht. Sein Rückzug von Twitter und Facebook sorgte kürzlich für Aufsehen


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