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1300 Beamte am Samstag im Einsatz 14 Festnahmen bei bislang größter Razzia gegen Clankriminalität in NRW

Von afp und dpa

Polizisten sichern während einer Razzia von Zoll und Polizei den Eingang zu einer Shisha-Bar. Zeitgleich wurden in mehren NRW-Städten mehrer Shisha-Bars durchsucht. Foto: dpa/Bernd ThissenPolizisten sichern während einer Razzia von Zoll und Polizei den Eingang zu einer Shisha-Bar. Zeitgleich wurden in mehren NRW-Städten mehrer Shisha-Bars durchsucht. Foto: dpa/Bernd Thissen

Düsseldorf. Eine größere Razzia hat es in Nordrhein-Westfalen nie gegeben. 1300 Polizisten rückten am Samstagabend zeitgleich aus, um die Clankriminalität zu bekämpfen.

Um 21 Uhr schlugen die Fahnder zu: Etwa 1300 Polizisten rückten am Samstagabend zeitgleich im gesamten Ruhrgebiet zu einer groß angelegten Razzia gegen Clankriminalität aus. In Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Recklinghausen, Bochum und Duisburg durchsuchten Beamte bis in die Morgenstunden über 100 Shisha-Bars, Spielhallen, Diskotheken und Teestuben. Die Betreiber traf der Einsatz besonders – am Wochenende sind viele Lokale gut besucht.

14 Festnahmen, 100 Strafanzeigen

Das nordrhein-westfälische Innenministerium spricht von der größten Razzia gegen kriminelle Clanmitglieder in den Geschichte des Bundeslandes. Insgesamt seien mehr als 1500 Menschen kontrolliert worden, teilte das Ministerium am Sonntag mit. 14 Menschen wurden demnach festgenommen und über 100 Strafanzeigen erstattet. Hunderte Kilogramm unversteuerter Tabak, zehn Waffen wie verbotene Messer und Teleskopschlagstöcke und einige Tausend Euro Bargeld seien sichergestellt worden. Die Behörden schlossen 25 Betriebe wegen Baurechts- oder Hygienemängeln.

Die Beamten gingen nach eigenen Angaben dem Verdacht der Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit nach. Zudem gab es über 800 Verkehrskontrollen. Auch in anderen Städten wie Mülheim, Witten und Herne liefen Maßnahmen. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) hatte die Bekämpfung der Clankriminalität zuletzt als große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden bezeichnet.

Die Polizei teilte weiter mit, bei der Razzia seien Kräfte von Polizei, Zoll, Gewerbe-, Ordnungs- und Finanzämtern gebündelt worden, "damit alle rechtlichen Mittel gegen die kriminellen Clans ausgeschöpft werden". 

"Die Bekämpfung der Organisierten sowie der Banden- und Clankriminalität ist ein strategischer Schwerpunkt" der Polizei in NRW, hieß es weiter. Reul machte sich in mehreren Städten, darunter Bochum und Duisburg, ein Bild von den Einsätzen. "Wir wollen denen in den Clans zeigen, dass wir da sind, dass die Straße nicht denen gehört", sagte Reul in diesem von der Essener Polizei verbreiteten Video.

Kraftakt gegen Clankriminalität gefordert

Der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, hatte vor wenigen Tagen einen Kraftakt gegen Clankriminalität gefordert. Es werde Jahre dauern, um diese Kriminalität ansatzweise in den Griff zu bekommen, sagte er der Zeitung "Die Welt" vom Donnerstag.

Die deutsche Polizei geht immer wieder gegen Clans und Mafia-Organisationen vor. Anfang Dezember hatten Ermittler bei großen Razzien gegen die italienische Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Deutschland und anderen Staaten fast 90 Verdächtige festgenommen. Bei den Vorwürfen geht es um Drogenhandel und Geldwäsche. Vor allem in Nordrhein-Westfalen wurden nach Behördenangaben damals Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro vorläufig beschlagnahmt. An den Durchsuchungsaktionen in Deutschland waren damals rund 440 Beamte beteiligt, es gab 14 Festnahmen.

Im vergangenen Juli und August war die Berliner Polizei mit einem Großaufgebot gegen kriminelle Mitglieder arabischer Großfamilien vorgegangen. Beamte durchsuchten Wohnungen und andere Objekte. Es gab vier Festnahmen, wie die Polizei mitteilte. Bei der Razzia ging es um den Verdacht des Drogenhandels im großen Stil. 


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