Grüne und Institutschef kritisieren Minister Streit um Imamausbildung: Keine Perspektive für islamische Theologen?

Um als Imame arbeiten zu können, müssten die Absolventen des Osnabrücker Islaminstituts eine Zusatzausbildung machen. Die gibt es noch nicht. Foto: Michael GründelUm als Imame arbeiten zu können, müssten die Absolventen des Osnabrücker Islaminstituts eine Zusatzausbildung machen. Die gibt es noch nicht. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Streit um die Imamausbildung geht in die nächst Runde: Die niedersächsischen Grünen kritisieren, dass die Berufsaussichten für islamische Theologen in Niedersachsen nach wie vor begrenzt sind. Eine Lösung des Problems wird weiter vertagt.

Je stärker der türkische Islamverband Ditib in der Kritik steht, desto weniger sind von der Türkei entsandte Imame in Deutschland willkommen. Hauptkritikpunkte: Die Prediger sind vom türkischen Staat abhängig und sprechen häufig kein Deutsch. Alternativ wünschen sich viele Politiker Imame, die in Deutschland ausgebildet wurden. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hatte etwa im September vergangenen Jahres vorgeschlagen, dass Absolventen des Masterstudiengangs Islamische Theologie künftig jeweils zur Hälfte in Moscheegemeinden und an niedersächsischen Schulen arbeiten könnten, um zumindest einen Teil der Finanzierung der Geistlichen sicher zu stellen. „Nach den vollmundigen Ankündigungen von Minister Thümler im letzten Jahr ist bis heute nichts passiert“, kritisierte die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag, Eva Viehoff. „Weder die GroKo noch die Landesregierung hat bis heute einen Vorschlag erarbeitet, der im Parlament beraten werden könnte.“ 

Ein entsprechender Antrag der Grünen, in dem die Partei fordert, die Imamweiterbildung aufrecht zu erhalten und mit den Verbänden über die Imamausbildung zu sprechen, hänge im Wissenschaftsausschuss fest. Viehoff bemängelte: „SPD und CDU sprechen zwar immer viel von der Wichtigkeit von Integration von Muslimen in Deutschland, unterstützen aber die geeigneten Mittel dafür wie die Imamausbildung in Osnabrück nicht ausreichend.“

Das wirkt sich offenbar auch auf die Beliebtheit des Osnabrücker Studiengangs aus: Die Zahl der Studienanfänger im Bacherlor ist mit nur 51 Studenten in diesem Wintersemester auf dem niedrigsten Stand seit Gründung des Instituts. Im vergangenen Jahr waren es noch 75 Studenten, im Jahr davor sogar 102.

Die Grünen fürchten nun um den Standort: Die rückläufigen Zahlen zeigten, „dass es mit einem guten Ausbildungsort nicht getan ist“, erklärte Viehoff. „Die Landesregierung muss nun schnellstens gemeinsam mit den islamischen Verbänden im Land daran arbeiten, den Absolventen aus Osnabrück auch eine berufliche Perspektive zu bieten.“

Wissenschaftler ist nicht automatisch Imam

Als Wissenschaftler können die Studenten bislang in erster Linie als Religionslehrer arbeiten. Ohne weitere Ausbildung und Akzeptanz durch die islamischen Verbände können sie aber nicht regulär als Imame tätig sein.

Auch an der Uni Osnabrück selbst fürchtet man um die Attraktivität des Studiengangs: Der Direktor des Instituts für Islamische Theologie, Professor Bülent Ucar, teilte auf Anfrage mit: „Die fehlenden Berufsperspektiven und die unvollständige Besetzung der vom Land zugewiesenen Professuren verschlechtern unsere wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, was zu Abwanderung und Rückgang der Studierendenzahlen führt." Von acht Professuren am Institut seien nur vier regulär besetzt, zwei weitere würden vertreten und zwei seien vakant. Ucar fordert nun von Land und Universitätsleitung, die Stellen freizugeben.

Mit acht Professuren wäre die Universität Osnabrück eigentlich der größte Standort für islamische Theologie bundesweit. Mittlerweile werden aber auch an anderen Standorten weitere Institute gegründet. In Berlin soll der erste Islam-Studiengang im kommenden Wintersemester starten. Zum Start sollen vier Professoren eingestellt werden, weitere Professuren werden beantragt. Am heutigen Montag tagt der Wissenschaftsausschuss des niedersächsischen Landtages. Die Imamausbildung steht nicht auf der Tagesordnung.


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