Poggenburg-Rückzug aus der AfD Experte sieht Schwächung der Partei - Gauland: "So ein Quatsch"

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Von Björn Höcke und Alexander Gauland geschasst: André Poggenburg (rechts im Bild) hat die AfD verlassen und eine neue Partei gegründet.
Foto: CHROMORANGE / Axel KammererVon Björn Höcke und Alexander Gauland geschasst: André Poggenburg (rechts im Bild) hat die AfD verlassen und eine neue Partei gegründet. Foto: CHROMORANGE / Axel Kammerer

Berlin. Adé AfD zum Dritten: Nach Parteigründer Bernd Lucke und Ex-Chefin Frauke Petry hat nun Rechtsaußen André Poggenburg die Alternative für Deutschland verlassen. Anders als Lucke und Petry ging Poggenburg, weil ihm die AfD zu zahm geworden war. Ob das der Partei bei den anstehenden Wahlen hilft oder schadet?

Parteien- und Extremismus-Forscher Hans-Joachim Funke sieht die AfD geschwächt. Poggenburg habe mehrere Jahre mit Björn Höcke und Andreas Kalbitz „in der rechtsradikalen Formation zusammengehalten“, sagte der Berliner Politologe unserer Redaktion. „Dass er nun ausgetreten ist, ist eine Erschütterung dieser Linie, eine indirekte Schwächung von Kalbitz und Höcke und zeigt die offene Flanke.“ 

Ganz überraschend kommt der Rückzug nicht. 2016 hatte die AfD in Sachsen-Anhalt mit Poggenburg als Landes- und Fraktionschef mehr als 24 Prozent der Stimmen geholt. Doch stieß der 43-Jährige mit seinem unverhohlenen Extremismus zunehmend auf Ablehnung und wurde im Herbst als Landes- und Fraktionsvorsitzender geschasst. Wegen der drohenden Beobachtung durch den Verfassungsschutz versucht die Parteiführung, Hardliner an die kurze Leine zu legen - bei Poggenburg gelang ihr das nicht.

Der „Verlust“ Poggenburgs werde „die AfD in Sachsen-Anhalt und womöglich im ganzen Osten schwächen, meint Politologe Funke. Der hätte "offen ausgesprochen, was andere denken aber sich nicht mehr zu sagen trauten“. Wegen seiner offenen Radikalität habe sich Poggenburg in den letzten Monaten aber selbst ins Abseits manövriert. „Höcke und Kalbitz sahen sich gezwungen, Poggenburg fallen zu lassen, weil er mit seinen Hetzreden alle Versuche durchkreuzte, ihre wahren Absichten zu tarnen", so Funke weiter. "Weil sich Poggenburg nicht an die taktischen Zwänge hielt, musste er entmachtet werden.“ 

Klein beigeben will der einst einflussreiche AfD-Mann aber nicht. Er verkündete gestern die Gründung einer neuen Partei: Aufbruch deutscher Patrioten (AdP), mit der er auch bei der Landtagswahl im September in Sachsen antreten will. 

Wird es ihm gelingen, die AfD unter Druck zu setzen oder womöglich ein Bündnis mit ihr zu schließen? Parteichef Alexander Gauland winkt ab: "So ein Quatsch", sagte Gauland, tat Poggenburg als "Randfigur" ab und sagte ihm den Absturz "in die politische Bedeutungslosigkeit" voraus.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN