Fremdenfeindlichkeit 2018 fast jeden zweiten Tag ein Angriff auf ein Asylbewerberheim

Auf dem Archivfoto zu sehen: Auf ein im Bau befindliches Flüchtlingswohnheim in Barsinghausen bei Hannover ist am Morgen des 23.01.2016 ein Brandanschlag verübt worden. Menschen kamen dabei nach Angaben der Polizei nicht zu Schaden. In dem Rohbau wurden nach ersten Ermittlungen zwei Gasflaschen platziert, von denen eine in Brand gesetzt wurde. Foto: Uwe Dillenberg/dpaAuf dem Archivfoto zu sehen: Auf ein im Bau befindliches Flüchtlingswohnheim in Barsinghausen bei Hannover ist am Morgen des 23.01.2016 ein Brandanschlag verübt worden. Menschen kamen dabei nach Angaben der Polizei nicht zu Schaden. In dem Rohbau wurden nach ersten Ermittlungen zwei Gasflaschen platziert, von denen eine in Brand gesetzt wurde. Foto: Uwe Dillenberg/dpa

Osnabrück. Auch im vergangenen Jahr hat es fast jeden zweiten Tag in Deutschland einen Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft gegeben. Der Trend ist nach vorläufigen Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) aber deutlich rückläufig.

Demnach verzeichnete das BKA bis Anfang Dezember bundesweit 143 Straftaten gegen Asylunterkünfte (Stand: 3. Dezember). Das geht aus den Zahlen hervor, die unserer Redaktion vorliegen. Rein statistisch war das im Schnitt alle 2,3 Tage ein Angriff. Gegenüber 2017, als noch 312 Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert wurden, dürfte sich die Zahl für das Gesamtjahr in etwa halbiert haben. Es könnte der niedrigste Stand seit fünf Jahren sein. Die endgültigen Daten für 2018 wird das Bundeskriminalamt erst Anfang April vorlegen.  

Lage entspannt sich zunehmend

Der Trend zeigt schon seit längerem deutlich nach unten, die Lage hat sich entspannt. Als ein Grund dafür gilt, dass weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen und einige Notunterkünfte geschlossen wurden. Das Thema ist in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent. Seit Jahren gehen die Zahlen zurück: Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 war die Rekordzahl von 1031 Angriffen verzeichnet worden. 2016 waren es dann noch 995 Übergriffe, 2017 nur noch 312. Vor der Flüchtlingskrise waren die Zahlen mit zweistelligen Raten noch deutlich niedriger gewesen (2013: 69 Angriffe), 2014 waren es 199 Attacken. Dieses Niveau dürfte 2018 wieder erreicht worden sein.

Rechtsextreme Täter

Hinter fast allen Taten stecken Rechtsradikale. 2018 waren rechtsextreme Täter für 140 der bislang gemeldeten 143 Übergriffe verantwortlich, wie das Bundeskriminalamt meldete. In den meisten Fällen handelte es sich um Propaganda wie Schmierereien (46) und Sachbeschädigungen (44). Es kam aber auch zu Gewaltdelikten und Volksverhetzung.

Zahlen sind vorläufig

Die Daten sind vorläufige Zahlen, in der Regel gibt es noch eine Reihe von Nachmeldungen. Das BKA hat die Erfassung dieser Straftaten im Dezember umgestellt und bereitet die Zahlen nun nur noch quartalsweise auf. Kritiker sehen keinen Anlass für Entwarnung. So fürchtet die Linke, dass sich die Straftaten auf diesem immer noch hohen Niveau einpendeln und Fremdenfeindlichkeit zum Alltag werden könnte.


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