Kommentar Poggenburgs Austritt schwächt die AfD nicht - er stärkt sie

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Ein Rechter weniger in der AfD: Andre Poggenburg (links) ist gegangen. Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, Mitte) und Andreas Kalbitz (Landtagsfraktion Brandenburg) sind noch da. Foto: Britta Pedersen/dpaEin Rechter weniger in der AfD: Andre Poggenburg (links) ist gegangen. Björn Höcke (AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, Mitte) und Andreas Kalbitz (Landtagsfraktion Brandenburg) sind noch da. Foto: Britta Pedersen/dpa

Osnabrück. André Poggenburg ist gegangen: Mancher in der AfD dürfte nun aufatmen. Die übrigen Parteien stellt sein Schritt vor das Problem, dass ihnen ein zugkräftiges Argument gegen seine Altpartei abhanden gekommen ist. Ein Kommentar.

Immer wieder fiel der ostdeutsche Rechtsaußen mit radikalen Parolen und selbstverliebten Provokationen auf. Ein Image, das die Partei nicht haben wollte. Es beschädigte ihr Bestreben, zum bürgerlichen Milieu zu zählen und irgendwann im Osten vielleicht sogar einmal Teil einer Landesregierung zu werden. Darüber hinaus bot jeder neuerliche Poggenburg-Ausfall Anlass, eine Überwachung der Partei in Teilen oder als Ganzes durch den Verfassungsschutz zu fordern, wozu sich die Wahrscheinlichkeit zuletzt fortlaufend erhöht hatte.

Für die übrige Parteienlandschaft ist die neurechte Abspaltung differenziert zu betrachten. Auf den ersten Blick könnte Poggenburgs „Aufbruch deutscher Patrioten“ der Alt-AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg in diesem Jahr Stimmen entziehen und sie daher schwächen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Truppe in der Bedeutungslosigkeit versinkt, während die AfD mit seinem Abgang beträchtlich salonfähiger geworden ist für jene Wähler, die von den Volksparteien die Nase voll haben, ohne zugleich zur übersteigerten Deutschtümelei zu neigen.

Insgesamt bringt der Schritt also beträchtliche Bewegung in die politische Landschaft – mehr, als die Entscheidung eines querulanten Außenseiters zunächst vermuten ließe. Aus der vermeintlichen Schwächung könnte sogar Zulauf entstehen. Entwarnung ist daher für die etablierten Parteien auch ohne einen Poggenburg-Flügel in der AfD nicht angesagt. Im Gegenteil, wer seinen Ausschluss stets verlangte, dem geht nun ein zugkräftiges Argument gegen die AfD verloren.

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