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10.01.2019, 17:54 Uhr KOMMENTAR

Die deutsch-griechische Wiederannäherung gestaltet sich schwierig

Von Thomas Ludwig


Vom Hetzer zum Vertrauten: Griechenlands Premier Alexis Tsipras herzt Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ankunft in Athen. Haben die deutsch-griechischen Beziehungen das Schlimmste hinter sich? Foto: Aris Messinis/AFPVom Hetzer zum Vertrauten: Griechenlands Premier Alexis Tsipras herzt Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer Ankunft in Athen. Haben die deutsch-griechischen Beziehungen das Schlimmste hinter sich? Foto: Aris Messinis/AFP

Osnabrück. Besuch beim ehemaligen Hetzer: Als strahlender griechischer Regierungschef hat Alexis Tsipras Bundeskanzlerin Angela Merkel in Athen empfangen. Doch von einer spannungsfreien Partnerschaft sind die beiden Länder noch weit entfernt.

Unvergessen sind die geschmacklosen Fotomontagen griechischer Zeitungen, die auf der Höhe der Finanzkrise Bundeskanzlerin Angela Merkel in Nazi-Kluft mit Hakenkreuzarmbinde zeigen. Deutschland, tobte die griechische Öffentlichkeit, degradiere die Hellenen mit seiner diktatorischen Sparpolitik zu rechtlosen Vasallen. Tatsächlich gab es EU-Geld für den Pleitestaat nur gegen Reformen und harte Sparauflagen. Das war für die Griechen sehr schmerzhaft, aber auch die vorläufige Rettung.

Wenn die Kanzlerin nun Politik und Wirtschaft in Athen einen Besuch abstattet, ließe sich das als Zeichen von Normalisierung deuten. Das ist es aber nur vordergründig. Denn haben die Griechen wirklich das Schlimmste hinter sich?

Das Überschuldungsproblem ist vertagt, gelöst ist es nicht


Das Überschuldungsproblem ist vertagt, gelöst ist es nicht – auch, wenn sich das Land vorerst an den Finanzmärkten wieder selbst refinanzieren kann. Das Wirtschaftswachstum ist alles andere als nachhaltig. Die Sparpolitik ist längst kein Selbstläufer, sie könnte mit den Wahlen im Herbst unter Druck geraten. Stichwort: Wahlgeschenke. Die EU wacht mit Argusaugen über die Politik in Athen. Und auch die Aufnahme von Flüchtlingen stellt Griechenland immer noch vor massive Belastungen.

Dass die Griechen nun erneut damit kokettieren, von Deutschland einen dreistelligen Milliardenbetrag an Kriegsentschädigung fordern zu wollen, darf als unfreundlicher Akt gelten. Von einer spannungsfreien Partnerschaft sind beide Länder noch weit entfernt.  


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