Marco Rauch (Linke) Junge Politiker über die Ära Merkel: "Von der Hoffnungsträgerin zur Nichtstuerin"

Von Marco Rauch

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Den Mangel an Pflegekräften kreidet der Linken-Politiker Marco Rauch Angela Merkel an. Foto: Ina Fassbender/dpaDen Mangel an Pflegekräften kreidet der Linken-Politiker Marco Rauch Angela Merkel an. Foto: Ina Fassbender/dpa

Osnabrück. Die Ära Merkel klingt aus, das steht fest. Das Jahr 2019 könnte das Ende von Angela Merkels Kanzlerschaft bringen, zumindest dürfte die Nachfolge geregelt werden. Generation Merkel: Wir haben norddeutsche Nachwuchspolitiker gefragt, wie ihre Bilanz ausfällt, die sie in ihrem politischen Leben bisher nur eine Kanzlerin erlebt haben. Hier schreibt Marco Rauch, Die Linke.

Als 2005 die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme liefen und deutlich wurde, wir haben jetzt eine Kanzlerin aus dem Osten, war ich 16 Jahre alt und kannte bis dato nur Gerhard Schröder als „den“ Bundeskanzler. Nach immer weiter steigenden Arbeitslosenzahlen und fehlenden Perspektiven für die Menschen, hatten wohl viele, gerade im Osten des Landes die Hoffnung, mit Angela Merkel wird es anders, es wird besser.   


Marco Rauch ist seit November 2018 Co-Kreisvorsitzender der Linken in Schwerin. Foto: Rauch


Ihre engagierte christliche Erziehung prägte auch ihre Arbeit als Kanzlerin. Deutlich wurde dies im Herbst 2015 als sie keine hilfesuchenden Menschen an den Grenzen abwiesen ließ. Weiterhin sorgten die Einführung des Mindestlohns und die „Ehe für alle“ für Schlagzeilen.

Auf der anderen Seite ging und geht die Schere zwischen armen und reichen Menschen weiter auseinander. In unserem Land leben derzeit 4,4 Millionen Kinder in Armut und Kinderrechte sucht man noch immer vergebens im Grundgesetz. Unser Gesundheitssystem steht kurz vor einem kompletten Kollaps, es fehlen mehr als 100.000 Krankenpflegerinnen und -pfleger sowie 40.000 Altenpflegerinnen und -pfleger um eine vernünftige und würdevolle Versorgung sicherzustellen. Deutsche Waffen sind überall auf der Welt in Krisen- und Kriegsgebiete im Einsatz und töten Menschen. Noch immer liegt das BAföG weit unterhalb des Existenzminimums, trotzdem wird es vielen Studierenden verwehrt. Der Mindestlohn schützt nicht vor Armut im Alter, von der bereits 2,3 Millionen Menschen in unserem Land akut bedroht sind.

"Aussitzen von real existierenden Problemen"

Ein weiteres markantes Merkmal der Ära Merkel ist das Aussitzen von real existierenden Problemen. Bis heute warten Opfer des Dieselskandals auf die Möglichkeit, ohne eigenen finanziellen Schaden ihre Autos nachzurüsten. Auch bei den Cum-Ex-Papieren setzt die Kanzlerin auf Aussitzen. Der Schaden für die Steuerzahler Europas? Rund 55 Milliarden Euro.

Der Osten profitiert ebenfalls nicht von einer ostdeutschen Bundeskanzlerin. Auf den wirtschaftlichen Erfolg und auf strukturelle Verbesserungen wartet man noch heute, gerade in Mecklenburg-Vorpommern, vergebens. Digitalisierung? Gute medizinische Versorgung? Fehlanzeige! Auch auf die Fragen der Migration und Integration bleiben Merkel und die CDU Antworten und Taten schuldig und deutlich wird, Merkel ist eine Gefangene der Politik ihrer eigenen Partei, die nicht einmal ihre humanistisch-christlichen Ansätze teilt.

"Für viele Ostdeutsche wurde aus Hoffnung Angst"

Für viele Ostdeutsche, die nach der SPD nun auch die CDU als Regierungspartei erlebt hatten, wurde aus Hoffnung Angst – Zukunftsangst und Perspektivlosigkeit. Die Demokratie hatte es nicht geschafft, ihrem Leben eine Perspektive zu geben. Die eigene Unsicherheit vieler Menschen war Grundlage für das Erstarken der AfD insbesondere im abgehängten Osten. Darum ist die AfD keine Alternative für Deutschland.

Letztendlich ist die Demokratie gefährdet, weil die Menschen am Erfolg der Wirtschaft nicht angemessen teilhaben. Eine Berliner Politik, die die Umverteilung von „unten nach oben“ umkehrt, die den Menschen Zuversicht und sichere Perspektiven bietet, ist nach Frau Merkel nötiger denn je.


Der Autor

Marco Rauch ist 29 Jahre alt, Student an der juristischen Fakultät der Universität Rostock. Im November 2018 wurde er zum Co-Kreisvorsitzenden der Linken in Schwerin gewählt. Weiterhin ist er Mitglied im Ortsbeirat von Neu Zippendorf.

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