Merkel-Dämmerung in Berlin Spekulationen über Abtritt im März - Ringen um Merz' Rolle

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Wie lange bleibt Angela Merkel Kanzlerin? In Berlin wird über einen Rückzug im Frühjahr spekuliert.
John MACDOUGALL / AFPWie lange bleibt Angela Merkel Kanzlerin? In Berlin wird über einen Rückzug im Frühjahr spekuliert. John MACDOUGALL / AFP

Berlin. Der Umfragen-Höhenflug der neuen CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer heizt die Spekulationen kräftig an: Wird Angela Merkel schon im Frühjahr die Kanzlerschaft an "AKK" übergeben? Kommt es zum Frauen-Schwur, um Herausforderer Friedrich Merz abzublocken?

Durch den Blätterwald der Hauptstadt-Presse weht mehr als nur ein Hauch von Merkel-Dämmerung. Die "Zeit" hält ihren Rückzug im Frühjahr für möglich. Der "Tagesspiegel" mutmaßt, Merkel könne AKK "mit Kanzlerbonus und neuem Schwung in die Europawahlen" schicken. Die "Bild" legt einen drauf und fragt: "Merz schon im März Minister?" - natürlich nur in einem AKK-Kabinett...

Befeuert werden die Gedankenspiele durch immer neue Wortmeldungen aus CDU und CSU, die Friedrich Merz, der bei der Wahl um den CDU-Chefposten knapp unterlegen war, als möglichen Unions-Kanzlerkandidaten in Position bringen wollen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble war der erste, der das "Zugriffsrecht" der Parteivorsitzenden kritisierte. Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus sagte am Wochenende dem "Focus": Wer ins Rennen geschickt werde, hänge "vom Momentum ab". Auch das war ein Stich gegen Kramp-Karrenbauer und Merkel.

Merz selbst hat bislang nur erkennen lassen, dass er gerne Minister werden will. Die Debatte beobachtet er einstweilen schweigend. Klarheit könnte ein für Januar geplantes Gespräch von Merz und Kramp-Karrenbauer bringen.

Politikwissenschaftler rechnen nicht mit einem baldigen Merkel-Abritt. "Eine Übergabe der Kanzlerschaft von Merkel an Kramp-Karrenbauer in diesem Frühjahr wäre viel zu riskant", sagt der Mainzer Parteienforscher Jürgen W. Falter im Gespräch mit unserer Redaktion. "Dass der Koalitionspartner SPD mitmachen und AKK von allen Unionsabgeordneten gewählt werden würde, scheint mir fraglich. Das könnte gewaltig schiefgehen und auf Neuwahlen hinauslaufen." Falters Fazit: "Ich gehe nicht davon aus, dass Angela Merkel ernsthaft darüber nachdenkt." Sie werde "ganz sicher 2019 und wohl auch bis zum Ende der Legislaturperiode als Kanzlerin am Ruder bleiben".

Albrecht von Lucke, Redakteur der Blätter für deutsche und internationale Politik, hält einen Stabwechsel Merkel-AKK für "ausgeschlossen". Die SPD könne kein Interesse daran haben, Kramp-Karrenbauer zur Bundeskanzlerin zu wählen und damit aufzuwerten - "und so die nächsten Wahlen noch sicherer zu verlieren", sagt er unserer Redaktion.

Allerdings kam auch Merkels Entscheidung, die CDU-Führung niederzulegen, für die meisten Beobachter völlig überraschend. Wie also geht es weiter? Und was wird von Merkels Kanzlerschaft bleiben? Unsere Redaktion hat sich bei Nachwuchspolitikern im Norden umgehört. Bevor wir sie in den kommenden Tagen ausführlich zu Wort kommen lassen, ein erster Überblick:

"Uneitel, zuverlässig und wie selbstverständlich manövrierte Merkel die Bundesrepublik auch durch schwierige Zeiten", findet Laura Rebuschat (29), seit November 2017 jüngstes Mitglied der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. "Selbstverständlich ging es immer bergauf. Und sie machte uns Deutsche unfreiwillig zu erfolgsverwöhnten Besserwissern und Zauderern." 

Imke Byl (25) kann das Ende der Merkel-Ära kaum abwarten. Die Kanzlerin hinterlasse "einen großen Scherbenhaufen ungenutzter Chancen und ein neues Jugendwort: rummerkeln", sagte die Grüne aus Niedersachsen. "Aber ein Rummerkeln können wir uns definitiv nicht mehr leisten." Und Delara Burkhardt (26) aus Schleswig-Holstein, Juso-Vize und SPD-Kandidatin bei der Europawahl, gibt Merkel eine Mitverantwortung für eine gravierende Ungleichheit in Europa und Deutschland. Ihre Hoffnung: "Dass der Wettbewerb um die besten Ideen wieder ins Zentrum rückt."



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