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03.01.2019, 16:18 Uhr KOMMENTAR

CSU-Klausur in Seon: Ein Neustart, der Respekt verdient

Von Tobias Schmidt


"Streit nervt" - CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gut gelaunt in Kloster Seon
Foto: Matthias Balk/dpa"Streit nervt" - CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gut gelaunt in Kloster Seon Foto: Matthias Balk/dpa

Berlin. Groko-Kuschelkurs statt Reibereien: Die CSU präsentiert sich in neuem Gewand. Wer von der Landesgruppen-Klausur auf Kloster Seon den traditionellen Neujahrs-Radau erwartet hat, reibt sich erstaunt die Augen.

Landesgruppenchef Dobrindt gibt plötzlich den Anti-Populisten, der vor Stimmungsmache warnt, zu Optimismus aufruft, sich offensiv zu Europa bekennt. Und Söder, Parteichef in spe und Ex-Asyl-Hardliner, fordert Besonnenheit und verspricht - wörtlich - eine deutlich sympathischere Haltung. 

Misstrauen ist angebracht, und doch scheinen die Wortmeldungen Dobrindts und Söders mehr zu sein als Lippenbekenntnisse. Nach dem Krawall-Jahr 2018, geprägt von Seehofers Zerstörungswut und einem desaströsen Ergebnis der Bayern-Wahl, wollen die Partei-Schwergewichte den echten Neustart. Gestritten werden soll nicht mehr mit Schwesterpartei und SPD, sondern mit den "Angstparteien", zu denen Dobrindt neben AfD und Linken die erstarkten Grünen zählt.

Dahinter steckt die Einsicht, dass eine Volkspartei, die spaltet, sich selbst zerstört. Und dass eine Mitte-Regierung im Dauer-Zoff die politischen Ränder stark macht.

Geläutert also zieht die CSU in die Europa-Wahl. Im Mai wird sich zeigen, ob die Sympathie-Offensive beim Wähler ankommt. Der Versuch, mit Zuversicht zu punkten statt den Spaltern und Populisten hinterher zu laufen, ist aller Ehren wert.



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