Auswirkungen der US-Haushaltssperre Shutdown: Amerikas Nationalparks verdrecken und es kommen mehr Besucher

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Wegen der Haushaltssperre in den USA werden vielerorts die Mülleimer nicht mehr geleert. Foto: dpa/AP/Jacquelyn MartinWegen der Haushaltssperre in den USA werden vielerorts die Mülleimer nicht mehr geleert. Foto: dpa/AP/Jacquelyn Martin

Washington. Verdreckte Nationalparks, geschlossene Museen, kein Gehalt für Bundesbedienstete: Die Auswirkungen des US-Shutdowns treffen vor allem Familien und die Umwelt.

Taylor Futch ist Mama zweier kleiner Töchter (vier Jahre und vier Monate alt), ihr Ehemann arbeitet als Parkwächter im "Great Smoky Mountains National Park". Zurzeit ist er im Zwangsurlaub, bekommt kein Gehalt und die Familie sorgt sich um ihr Auskommen. So wie viele US-Amerikaner teilt Taylor Futch ihr Leid durch die Haushaltssperre unter dem Twitter-Hashtag #ShutdownStories

Wegen des US-Shutdowns bleiben US-Behörden in den vergangenen zwei Wochen teilweise geschlossen. Betroffen davon sind etwa 800.000 Bundesbedienstete. Futch schreibt am 24. Dezember: "Mein Mann ist Parkranger im Great Smoky Mountains National Park und er musste seine Urlaubspapiere unterschreiben. Wir haben eine 4-jährige und eine 4 Monate alte (Tochter, Anm. d. Red.) und wir wissen nicht, wann sein nächster Scheck kommen wird. Hypothek ist fällig, Weihnachten 2 Tage entfernt."

In einem weiteren Tweet schildert Futch, was der Shutdown für das Leben ihrer und anderer Familien bedeutet: "Wir sind emotional, mental, finanziell betroffen. Ich meine, wir haben zwei sehr kleine Kinder, und wir müssen unsere Hypothek, Versicherungen, Windeln, Lebensmittel, Gesundheitskosten, etc. bezahlen. Aber es gibt so viele Familien wie wir, die das Gleiche durchmachen. Es ist beängstigend, um ehrlich zu sein".

 

Zur Sache

Diese US-Behörden sind vom Shutdown betroffen
Für einige Ministerien wurde bereits im September ein längerfristiger Haushalt verabschiedet: etwa für das Verteidigungs-, das Gesundheits- und das Arbeitsministerium. Für sie gilt der aktuellen "Shutdown" also nicht. Dafür aber für viele andere Ressorts: darunter die Ministerien für Finanzen, Verkehr, Justiz, Auswärtiges, Inneres und Heimatschutz – und die Bundesbehörden, die diesen Ressorts unterstellt sind. Insgesamt ist etwa ein Viertel des Regierungsapparats betroffen.
Neun Ministerien liegen komplett lahm. Nach Angaben der US-Demokraten im Repräsentantenhaus und dem Senat trifft die Haushaltssperre 800.000 der 2,1 Millionen Staatsbediensteten in den USA. Rund 380.000 von ihnen werden in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt.
Zwangsurlaube gibt es etwa bei der Steuerbehörde IRS, 52.000 Mitarbeiter werden dort vorübergehend nach Hause geschickt. Bei der Weltraumbehörde NASA sind es 96 Prozent aller Mitarbeiter. 80 Prozent der der Beschäftigen in den Nationalparks müssen ebenfalls Zuhause bleiben. Die Nationalparks bleiben zwar geöffnet, aber unbewacht.
Generell ist sichergestellt, dass wichtige Bereiche, die etwa für die Sicherheit oder die Grundversorgung im Land zuständig sind, aufrechterhalten werden – zum Beispiel bei der Bundespolizei, beim Grenzschutz, in Gefängnissen oder bei der Post. So mussten in Justiz-Berufen 420.000 als unentbehrlich eingestufte Arbeitskräfte ohne Bezahlung weiterarbeiten. Dazu gehörten etwa Beschäftigte in Strafvollzugsbehörden, beim FBI oder der Drogenvollzugsbehörde DEA.
Mit dpa

Nur Mitarbeiter in den betroffenen Behörden, deren Arbeit als unverzichtbar erachtet wird, sollen ihre Aufgaben weiter erledigen. Bezahlt werden sie dafür allerdings ebenso wenig wie diejenigen, die Zuhause bleiben müssen. Erst wenn die Haushaltssperre wieder aufgehoben sind, können sie auf Rückzahlungen ihrer Gehälter hoffen. Wann das sein wird, weiß derzeit niemand.

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Verdreckte Nationalparks

Die Auswirkungen sind sowohl für die Betroffenen als auch für die Umwelt fatal. Weil Parkwächter wie der Ehemann von Taylor Futch in den Zwangsurlaub geschickt werden, verdrecken die Nationalparks. Bilder von überquellenden Mülleimern posten zahlreiche Besucher in den sozialen Netzwerken.

Im Yosemite Nationapark machen sich sogar schon Freiwillige ans Aufräumen.

"Es gibt mehr Müll, Fäkalien und Regelmissachtungen, als ich in den vier Jahren, die ich hier lebe, gesehen habe", sagt Dakota Snider, der im Yosemite-Tal arbeitet, gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Die Dilemmata der Nationalparks sind nicht nur der angehäufte Müll und die Verschmutzungen, sondern parallel auch steigende Besucherzahlen, weil kein Eintritt mehr kassiert werden kann. 

Manche Parks seien komplett geschlossen, informiert der US National Park Service (NPS) auf seiner Webseite. In den meisten Parks gebe es keine von der Behörde angebotenen Dienstleistungen für Besucher – etwa öffentliche Toiletten, Müllsammlung und Straßenpflege.

Müllberge am Washington Monument

Der National Park Service verwaltet nach eigenen Angaben 418 Parks und historische Stätten in den USA. Darunter befinden sich nicht nur viele der bekanntesten Naturparks der USA, die besonders häufig im Sommer besucht werden, sondern auch viele Monumente, Gedenkstätten und andere geschichtlich bedeutsame Orte. Das führt auch zu Müllbergen am Washington Monument in der Nähe des Weißen Hauses.

Das Nationalarchiv in der US-Hauptstadt bleibt ebenfalls geschlossen.

Wegen des US-Shutdowns ist das Nationalarchiv in Washington geschlossen. Foto: dpa/FR159526 AP/Jose Luis Magana

Geschlossene Museen

Weil die Arbeit in öffentlichen Ämtern zum Erliegen kommt, können Bürger nicht mehr darauf zählen, dass ihre Anträge rechtzeitig bearbeitet werden, zahlreiche Behördendienste sind zudem nicht erreichbar. Auch Museen machen dicht. In Washington haben etwa die 17 Smithsonian-Museen und der Zoo geschlossen.  

Nur auf Reisen müssen die Amerikaner nicht verzichten. Regierungsbedienstete an Flughäfen arbeiten normal – auch wenn sie zum Teil vorerst nicht bezahlt werden. Züge verkehren weiterhin, Visa werden ebenfalls ausgestellt.

Es ist nicht der erste Shutdown in der US-Historie, sogar bereits der dritte unter Donald Trump. Im vergangenen Jahr war die Haushaltsperre allerdings immer nur von kurzer Dauer, einmal Ende Januar, dann noch einmal im Februar. Den längsten Shutdown erlebten die Amerikaner zum Jahreswechsel 1995/1996 unter dem damaligen Präsidenten Bill Clinton – er dauerte 21 Tage. Familien wie die Taylors könnten sich einen Gehaltsausfall so lange wahrscheinlich nicht leisten.

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