1200 Mitglieder kurz nach Start Grünen-Politiker verlässt Bundestag für "Finanzwende"-Bürgerbewegung

Von afp und lod

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Lothar Binding (SPD, links) überreicht Gerhard Schick (Bündnis 90/Die Grünen) zum Abschied einen Zollstock. Foto: dpa/Christoph SoederLothar Binding (SPD, links) überreicht Gerhard Schick (Bündnis 90/Die Grünen) zum Abschied einen Zollstock. Foto: dpa/Christoph Soeder

Berlin. Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick hat eine Bürgerbewegung gegründet und verlässt dafür zum Jahreswechsel den Bundestag. Die Bürgerbewegung "Finanzwende" soll der gesellschaftlichen Kritik an den Finanzmärkten eine Stimme geben, erklärte der Politiker.

Wenige Wochen nach ihrem offiziellen Start hat die von dem Grünen-Finanzexperten Gerhard Schick gegründete Bürgerbewegung "Finanzwende" bereits über 1200 Fördermitglieder hinter sich vereint. Diese breite Unterstützung in der Startphase der Organisation sei ein "Ausdruck des Wunsches in der Bevölkerung, dass die Finanzmärkte wieder im Dienst der Gesellschaft stehen sollen", sagte Schick der Nachrichtenagentur AFP. Ab Neujahr werde die Bürgerbewegung mit ihrer "inhaltlichen Arbeit loslegen".

Schick saß 13 Jahre lang im Bundestag (Wahlkreis Mannheim). Mitglied der Grünen bleibe er nach wie vor, betonte Schick, doch wegen seiner Vorstandstätigkeit der neuen überparteilichen Initiative könne er nicht gleichzeitig einer Bundestagsfraktion angehören. 

Gefördert wird der Verein "Finanzwende" derzeit von der Hans-Böckler-Stiftung und der European Climate Foundation. Langfristig will sich die Nichtregierungsorganisation vor allem über Fördermitgliedschaften finanzieren. 

Die bereits jetzt erreichten Mitgliederzahlen seien eine "klare Bestätigung, dass eine Finanzmarkt-NGO wie die Bürgerbewegung Finanzwende bisher gefehlt hat", sagte Schick AFP. Viele Menschen hätten durch eigene Erfahrungen mit schlechten Finanzprodukten oder immensen Kosten für die Bankenrettung erlebt, was an den Finanzmärkten schieflaufe.

Gegen Steuergeld zur Bankenrettung

Die Bürgerbewegung will Lehren aus der Finanzkrise ziehen, die vor zehn Jahren das internationale System ins Wanken gebracht hatte. Sie setzt sich für ein nachhaltiges und stabiles Finanzsystem ein, das die Interessen von Privatpersonen schützt. So will die Bürgerbewegung im kommenden Jahr darauf achten, dass kein weiteres Steuergeld für die Bankenrettung ausgegeben wird. Außerdem setzt sich der Verein für eine "Finanzberatung ohne Interessenkonflikte" ein, sagte Schick.

Im September hatte die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ihre überparteiliche Initiative "Aufstehen" vorgestellt, laut eigenen Angaben "eine soziale und demokratische Erneuerungsbewegung". 100 Tage nach der Gründung hatte "Aufstehen" laut Wagenknecht rund 167.000 Unterstützer.


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