Machtwechsel nach 50 Jahren Seit zwei Jahren überfällig: Kongo wählt neuen Präsidenten

Von dpa

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Der kongolesische Präsident Joseph Kabila bei seiner Stimmabgabe. Er darf selber nicht mehr antreten. Foto: dpa/AP/Jerome DelayDer kongolesische Präsident Joseph Kabila bei seiner Stimmabgabe. Er darf selber nicht mehr antreten. Foto: dpa/AP/Jerome Delay

Kinshasa. Im rohstoffreichen und von bewaffneten Konflikten erschütterten Kongo hat am Sonntag die Wahl eines neuen Staatspräsidenten begonnen. Der seit 17 Jahren amtierende und als korrupt angesehene Joseph Kabila darf nicht erneut antreten.

Im rohstoffreichen und von bewaffneten Konflikten erschütterten Kongo steht der erste demokratische Machtwechsel seit rund fünfzig Jahren bevor. Mit zwei Jahren Verspätung sind rund 40 Millionen Wähler am Sonntag aufgerufen, aus 21 Kandidaten einen neuen Präsidenten auszuwählen. Vor den Wahlen kam es in einigen Regionen zu Unruhen, in denen die Stimmabgabe wegen eines Ebola-Ausbruchs und Terrorgefahr auf März 2019 verschoben wurde.

Der seit 17 Jahren amtierende Staatschef Joseph Kabila, dessen Amtszeit offiziell 2016 endete, darf nicht erneut antreten. 

Wahlergebnisse erst in mehreren Tagen erwartet

Die Wahllokale sind zwischen 7 Uhr und 17 Uhr MEZ geöffnet. Zuverlässige Ergebnisse werden erst etwa eine Woche nach der Abstimmung erwartet.

Der Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Joseph Kabila, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September. Foto: dpa/AP/Frank Franklin

Shadary hat beste Chancen auf den Sieg

Als aussichtsreichster Kandidat gilt allerdings ein treuer Gefolgsmann des Staatspräsidenten, der frühere Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary. Die EU hat den 58-Jährigen wegen der Niederschlagung von Oppositionsprotesten mit Sanktionen belegt. Shadary ist frommer Katholik und hat acht Kinder.

Beobachter glauben, dass Shadary lediglich eine Marionette für Kabila sein wird, der im Hintergrund weiter die Fäden ziehen werde, sagte Risikoanalyst Indigo Ellis der Nachrichtenagentur AFP. "Shadary hat keine besonderen Qualifikationen außer absoluter Loyalität zu Kabila."

Opposition nominiert Fayulu und Tshisekedi

Die Opposition in dem zentralafrikanischen Land konnte sich indes nicht auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten einigen. Für sie treten zwei prominente Politiker an: Martin Fayulu und Félix Tshisekedi. Sie versprechen den Wählern eine Befriedung des Landes und Arbeitsplätze.

Der kongolesische oppositionelle Präsidentschaftskandidat Martin Fayulu und andere Oppositionskandidaten auf einer Pressekonferenz in Kinshasa. Foto: dpa/AP/Jerome Delay

Der 62-jährige Martin Fayulu geht als Außenseiter in Rennen um das Präsidentenamt. Er hat sich vor rund zwei Jahren mit heftiger Kritik an Amtsinhaber Kabila hervorgetan und führte seitdem mehrere Protestmärsche gegen die Regierung an. Fayulu hat in Frankreich und in den USA studiert und lange Zeit für den Ölriesen Exxon Mobil in Afrika gearbeitet. Er verspricht Millionenbeträge in die kongolesische Wirtschaft zu investieren und 20 Millionen Jobs in fünf Jahren zu schaffen.

Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Felix Tshisekedi wartet darauf, zu seinen Anhänger im Hauptquartier der UDPS-Partei in Kinshasa zu sprechen. Foto: dpa/APJerome Delay

Der 52-jährige Félix Tshisekedi übernahm 2017 die Führung der Oppositionspartei UDPS von seinem verstorbenen Vater. Zuvor hat er in Belgien Marketing und Kommunikation studiert. Beobachtern zufolge agiert er diplomatisch und versöhnlich. Tshisekedi hat fünf Kinder und besucht die gleiche Kirche in Kinshasa wie sein Konkurrent Fayulu.

Einfache Mehrheit genügt

Am Sonntag werden auch das Parlament und Provinzvertretungen gewählt. Bei der Präsidentenwahl reicht eine einfache Mehrheit für einen Wahlsieg. Da sich die Stimmen der Opposition auf mehrere Kandidaten verteilen, rechnen die meisten Beobachter mit einem Sieg Shadarys, selbst wenn sich in der Summe mehr Menschen für die Opposition entscheiden. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse könnte es daher zu Protesten der Opposition kommen. Kongos Sicherheitskräfte haben solche Proteste in der Vergangenheit brutal niedergeschlagen.

Trotz reicher Vorkommen von Mineralien wie Kobalt, Kupfer und Gold gehört der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt. Schuld daran sind auch zahlreiche von der Gier nach Rohstoffen befeuerte Konflikte. Rund 4,4 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Im Ost-Kongo gibt es zudem derzeit eine Ebola-Epidemie – die bislang zweitgrößte weltweit mit mehr als 550 Erkrankten rund 340 Toten.


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