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28.12.2018, 16:23 Uhr KOMMENTAR

An Diktator Assad führt kein Weg mehr vorbei

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Der Schützling und sein Patron: Ein großes Plakat in der Stadt Rastan zeigt den syrischen Staatschef Baschar al-Assad und Russlands Präsident Wladimir Putin (r) als Verbündete. Foto: Friedemann Kohler/dpaDer Schützling und sein Patron: Ein großes Plakat in der Stadt Rastan zeigt den syrischen Staatschef Baschar al-Assad und Russlands Präsident Wladimir Putin (r) als Verbündete. Foto: Friedemann Kohler/dpa

Osnabrück. Das Ende des Krieges in Syrien rückt näher. Donald Trumps angekündigter Abzug der US-Truppen aus Syrien löst einen Dominoeffekt aus. Neue Allianzen bilden sich, ehemalige Gegner nähern sich einander wieder an. Mit Konsequenzen für eine mögliche Nachkriegsordnung.

Mit der Kontrolle über die Region Manbidsch weitet Syriens Diktator Baschar al-Assad seinen Einflussbereich gen Norden wieder aus. Das Autonomiestreben der Kurden erhält einen merklichen Dämpfer. Das bedeutet eine deutliche Stärkung der Zentralregierung mit mutmaßlichen Folgen für die Nachkriegsordnung.

Nun wird viel davon abhängen, wie die Türkei regiert – und ob Ankaras Armee in Nordsyrien einmarschiert, um die ihr unliebsamen Kurden aus der Region zu vertreiben. Es wäre gefährlich, drohte doch eine direkte Konfrontation zwischen der Türkei und Syrien. Die türkische Armee aber hat im Norden Syriens nichts zu suchen; schon heute ist ihre dortige Präsenz entlang der Grenze völkerrechtswidrig.  

Insgesamt mehren sich die Zeichen, dass Syrien zur Ruhe kommen könnte. Deutschland und Europa werden entscheiden müssen, ob und wie sie beim Wiederaufbau des ausgebluteten Landes helfen wollen. Leicht wird das nicht – hatte man doch auf ein Ende des Regimes gesetzt. Assads Entmachtung ist aber ferner denn je. Im Gegenteil: Mit Russlands Präsident als Schutzpatron darf er sich als Sieger fühlen. 

Wladimir Putin und Assad sind nun gut beraten, die Friedensordnung so zu gestalten, dass sie nicht den Nährboden für neues Elend schafft. Investitionen des Westens zum Wiederaufbau darf es nur geben, wenn es einen politischen Prozess gibt, der alle Parteien einbezieht und der Kriegsverbrecher Assad nicht unmittelbar davon profitiert.


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