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28.12.2018, 13:14 Uhr KOLUMNE

Auf die Farbe kommt es an

Von Tobias Schmidt


Auf die Lackfarbe kommt es an
Foto: Martin Schutt/dpaAuf die Lackfarbe kommt es an Foto: Martin Schutt/dpa

Berlin. Da hatte man gedacht, beim Autokauf achte König Kunde auf Grenzwerte und Fahrtüchtigkeit. Doch Diesel-Gate und drohende Fahrverbote sind nicht so wichtig: "Eine der wichtigsten Entscheidungen" bei der Autowahl sei "die Wagenfarbe", verkündet der Verband der Automobilindustrie (VDA) dieser Tage.

Die heiter stimmende Bilanz wird mitgeliefert: "Der Automarkt wird wieder bunter."  

Positives kann die Branche gebrauchen. Oder handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver? Verkehrsminister Scheuer hatte VW, Daimler und Co. gerade wieder in die Pflicht genommen: Das neue Jahr müsse nicht nur Hardware-Nachrüstung bringen, sondern auch "das Jahr der Vertrauensnachrüstung" werden. Saar-Verkehrsministerin Rehlinger schimpfte, die Hersteller hätten "die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt".

Vielleicht ist es auch umgekehrt. Laut VDA geht es jedenfalls um den von der Politik bisher vernachlässigten Faktor Farbe. Dabei werde der persönliche Geschmack von "rationalen Überlegungen" überlagert, "vor allem der erwartete Wiederverkaufswert fällt stark ins Gewicht." Die heitere Botschaft: Ein Wertverlust durch zu hohen Schadstoff-Ausstoß lässt sich durch die richtige Lackfarbe wieder wettmachen.

Viel bunter ist der Markt übrigens nicht geworden. 75 von hundert Neuwagen sind Grau, Silber, Schwarz oder Weiß. Der Anteil von Rot und Blau stieg minimal auf 17,7 Prozent. In Grün wurde nur einer von hundert Neuwagen lackiert.


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