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27.12.2018, 16:48 Uhr KOMMENTAR

Debatte um Kindergeld: Klingt ungerecht

Ein Kommentar von Stefanie Witte


Rekord bei Kindergeld: Die 15-Millionen-Schwelle wurde überschritten. Foto: dpaRekord bei Kindergeld: Die 15-Millionen-Schwelle wurde überschritten. Foto: dpa

Osnabrück. Es klingt ungerecht: Von rund 15 Millionen Kindern, für die der deutsche Staat Kindergeld zahlt, sind 3 Millionen ausländische Kinder. Und dann gibt es offenbar auch noch immer wieder Eltern, die betrügen wollen und Geld für Nachwuchs beantragen, der gar nicht existiert.

Wer sich die Hintergründe anschaut, darf aber durchatmen, denn in Wirklichkeit ist die Lage gar nicht so dramatisch. Punkt eins: Die ausländischen Kinder leben zum großen Teil mit ihren Eltern in Deutschland. Und von den rund 300 000 Kindern, die tatsächlich im Ausland leben und Geld bekommen, sind etwa zehn Prozent deutsche Kinder, deren Eltern etwa im Ausland arbeiten. 

Punkt zwei: Auch wenn die Familienkasse immer wieder gefälschte Geburtsurkunden aus der Antragsflut fischt, hat die Behörde keine Hinweise darauf, dass am Ende tatsächlich auch Kindergeld unrechtmäßig ins Ausland überwiesen wird. Die Betrugsversuche finden eher in Deutschland selbst statt. Hier rüstet die Behörde nach.

Und Punkt drei: Wer als Ausländer hierzulande regulär arbeitet, zahlt Sozialversicherungsbeiträge, sollte also auch ein Recht auf staatliche Leistungen haben, die anderen Arbeitnehmern zustehen.

Nachdenken sollte man aber über das Modell Österreich: Dort werden Kindergeldzahlungen ins Ausland an die jeweiligen Verhältnisse angepasst. Das ist vertretbar und nimmt denjenigen den Wind aus den Segeln, die das System für unfair halten.


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