Abends und samstags zum Arzt? Lauterbach stützt Kassenforderung - "Ärzte ab mittwochs auf Golfplatz"

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Zu viele Ärzte ab mittwochs auf dem Golfplatz? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert mehr Sprechstunden für Kassenpatienten
imago/Metodi PopowZu viele Ärzte ab mittwochs auf dem Golfplatz? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert mehr Sprechstunden für Kassenpatienten imago/Metodi Popow

Berlin. Ärzte sollen mehr Termine in den Abendstunden und an Samstagen vergeben, fordern die gesetzlichen Krankenkassen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält das für dringend notwendig. Sollten die Ärzte nicht selbst einlenken, müsse über gesetzliche Lösungen nachgedacht werden, sagte er unserer Redaktion.

Der Ruf der Krankenkassen nach mehr Sprechstunden sei "richtig und berechtigt“, so Lauterbach. „Es kann nicht sein, dass Öffnungs- und Arbeitszeiten immer kundenfreundlicher werden, auf kranke Arbeitnehmer so gut wie keine Rücksicht genommen wird, und nur Ärzte davon ausgenommen sind.“

Viele Ärzte würden weder mittwochs noch freitags an den Nachmittagen arbeiten, sagte der Vizefraktionschef der SPD im Bundestag. „Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen“, fügte er wörtlich hinzu. Lauterbach ist selbst Arzt.

"Öffnungszeiten von 6 bis 23 Uhr denkbar"

Nach seinen Angaben ist es inzwischen für viele Arbeitnehmer kaum noch möglich, einen Facharzt-Termin zu bekommen, den sie wahrnehmen könnten. Immer mehr Berufstätige würden deswegen Krankheiten verschleppen und krank zur Arbeit gehen, daran müsse sich dringend etwas ändern. Sollten die Ärzte nicht selbst einlenken, „müssen wir über politische Lösungen nachdenken“, drohte der SPD-Politiker mit einem Gesetzesvorstoß.

Zur Zeit wird im Bundestag über eine Änderung des sogenannten Terminservicestellengesetzes verhandelt. Demnach sollen Kassenärzte ihre Sprechstundenzeit von 20 auf 25 Stunden pro Woche ausweiten. Im Rahmen dieses Gesetzgebungsprozesses „sollten wir die Forderungen der Kassen berücksichtigen“, erklärte Lauterbach.

Um das Termin-Angebot rasch auszuweiten, will der Gesundheitspolitiker die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) stärken. In diesen sind Praxen verschiedener Fachärzte untergebracht. "Dort könnten sich Ärzte ablösen, sodass Öffnungszeiten von 06.00 bis 23.00 Uhr denkbar sind", sagte Lauterbach. In den MVZ sei "eine Art Schichtbetrieb" für Mediziner möglich, was für Kassenpatienten "ein großer Fortschritt wäre". Für Privatpatienten würden schon heute deutlich mehr Termine in Randzeiten angeboten.

"Weniger überflüssige Termine für Routinepatienten"

Das Argument niedergelassener Ärzte, die gesetzlichen Budgetdeckel würden eine Ausweitung der Sprechstundenzeiten verhindern, wies Lauterbach zurück. Es sei Sache der Ärzte, weniger überflüssige Termine für Routinepatienten anzubieten und sich auf die Versorgung wirklich hilfsbedürftiger Patienten zu konzentrieren. "Und das Budget hängt nicht von der Uhrzeit der Behandlung ab", gab der Fachmann zu bedenken. Überdies gebe es über das Budget hinaus inzwischen Geld für neue Patienten. "Hier kommen wir den Ärzten entgegen. Ich erwarte daher, dass sie der Forderung nach mehr Sprechzeiten entgegenkommen", betonte Lauterbach.


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